DER ZENTRALE ECKPFEILER                          Stilkunde der Rhetorik

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Autorin: Karin Anne Koch (Journalistin im DFJV Deutscher Fachjournalisten Verband)

Es war während irgendeines Vortrages, als ich jene Formulierung hörte, die mir den Anstoß zum folgenden Exkurs durch die Tiefen und Untiefen sprachlichen Stils gab. Dort referierte ein Politiker, dem der Ruf  vorauseilte, ein brillanter Rhetoriker zu sein. Ich weiß nicht mehr in welchem Zusammenhang - es spielt hier auch keine Rolle - jedenfalls gab dieser Redner im Verlauf seiner Ausführungen die Äußerung von sich:

"Der zentrale Eckpfeiler ..." Ich konnte es nicht verhindern - ich prustete los. Sehr zum Missfallen der anwesenden Journalisten-Kollegen und des Securitypersonals. 

Ich habe sie seitdem noch bei zahlreichen anderen Gelegenheiten erlebt: die "Ritter der Schwafelrunde". Sie, die nicht selten hoch bezahlt werden, um uns mit ihren verbalen Ergüssen zu langweilen. Zu verwirren. Und zu verblüffen. Im Idealfall belustigen sie uns.

Redner, Publizisten, Reporter, aus deren Mündern und Tastaturen sprudelt, was eigentlich nur sie selbst für Weisheiten und Wichtigkeiten halten können. Eigentlich müssten sie Schwätzer genannt werden, würde man sie an dem messen, was sie wirklich tun. Sie schwätzen.
Uns - den Lesern und Zuhörern - bleibt nur die Verwunderung. Sowas darf hinter's Pult? Solcherlei verbale Ergüsse bieten Verlage sogar in Buchform an. Sowas darf auf die Bühne, darf in ein Mikrofon sprechen.

Beispiel gefällig? Ich habe es mit eigenen Ohren gehört - auf der Pressekonferenz einer Staatsanwaltschaft: "Wir müssen Verbrechen verhindern, bevor sie begangen werden." Ach was? Welcher halbwegs zurechnungsfähige Jurist hätte denn geglaubt, Verbrechen könnten verhindert  werden, nachdem sie begangen wurden? Stellen wir uns vor, es spräche der Kommissar zu seinem Assistenten:
"Wir müssen los, wir haben eine Leiche. Es war Mord - schnell, wir müssen die Tat verhindern!"

RITTER der SCHWAFELRUNDE

Oft geben sich die weniger gut qualifizierten Redner gleich am Anfang ihrer Auftritte zu erkennen - etwa wenn sie mit der völlig überflüssigen Floskel "Ich sag mal ..." starten. Gern auch in der Variante "Ich will mal so sagen ..."
Es gibt so viele Sprachverstümmeler, und ich habe den Eindruck es werden immer schneller immer mehr. Eigentlich darf man ihnen ja gar nicht mal so große Vorwürfe machen - es ist schließlich die Sprache selbst, die sich im Laufe der Zeit auf bedauernswerte Weise von sich weg entwickelt hat.

Ich habe lange versucht, vom sprachhistorischem Blickwinkel aus nachzuvollziehen, was da wie im Einzelnen passiert sein könnte. Handelt es sich um eine begleitende Unterform der scheinbar allgemein um sich greifenden geistigen Vereinfachung, die mir neuerdings so gehäuft begegnet? Was mich zu der generellen Frage führt:
Verliert langsam die Menschheit insgesamt an Geist - so quasi als eine Art kollektiver Automatismus, für den niemand so recht was kann? Oder, was schlimmer wäre: Wird dieser geistige Verödungsprozess sogar gezielt installiert? Wie auch immer - jedenfalls findet er offensichtlich statt.

Schon klar - viele werden zu hart finden, was ich hier sage. Geistige Verödung. Wie kann das stimmen? Schauen wir uns doch nur unsere bahnbrechenden Erfindungen an, Entwicklungen und Entdeckungen, die der Menschheit in jüngster Vergangenheit gelungen sind. Ja! stimme ich zu, die menschliche Intelligenz hat viel erreicht. Aber ich rede eben nicht nur von Intelligenz. Ich rede vor allem von Geist.

Denn es kann ein Unterschied sein, ob jemand geistreich- oder ob er ("nur") intelligent ist. Darüber haben die Philosophen aller Epochen viel nachgedacht und diskutiert; von Descartes bis Searle, von Hypatia bis Edith Stein.
Nicht zuletzt im Umgang mit unserer Sprache - darum geht es mir ja hier - manifestiert sich oft besonders deutlich dieser Unterschied zwischen Intelligenz und Geist.

An sich könnte ich mir alle Kommentare zu diesem Thema sparen. Vielleicht sollte ich das sogar - schon um mich der Konfrontation mit der Frage zu entziehen: Wofür hält die sich eigentlich? Will sie uns belehren? Außerdem wird es mir schwerlich gelingen, der beschriebenen geistigen Diäthalterei einen effektiven Schlag zu versetzen.

Aber ich kann nicht anders, als mich intellektuell ein wenig einzumischen. Die Angst treibt mich dazu. Angst davor, dass diese sprachliche Verwahrlosung siegt und dass schließlich die Menscheit zu einer Gesellschaft verkümmert, in der sich niemand mehr halbwegs verständlich artikulieren kann.
Angst bekomme ich auch davor, dass irgendwann in naher Zukunft unsere Sprache nur noch aus Rudimenten besteht. Aus Lauten, nicht aus Worten. Aus Bruchstücken, nicht aus Sätzen. Aus Postings, und nicht aus Nachrichten und Geschichten.

Ich befürchte, dass sich dann niemand mehr wundern würde, wenn eine Annonce als Dienstleistung den "Verleih von Sprengstoff" anpreist; dass die Leser sich nicht einmal darüber wundern würden, wie sich denn nach erfolgtem Gebrauch die Rückgabe des Leihgutes gestalten soll?

MIT SPRACHE in's SCHWARZE TREFFEN

Meine eigentliche Absicht ist es,  Möglichkeiten  aufzuzeigen, wie unsere Sprache professionell angewendet werden kann - mit dem Ziel eines optimalen Nutzeffektes. Wozu uns ein beinahe unendlicher Fundus an Techniken zur Verfügung steht, der sich über Jahrhunderte entwickelt hat. Die Sprache wurde kontinuierlich wissenschaftlich analysiert, perfektioniert und die Ergebnisse wurden uns allen zugänglich gemacht. Wenn wir sie anwenden, wenn wir sie nutzen, dann kann Sprache etwas sehr Gutes sein. Es hat seinen Sinn, dass sich Menschen beruflich mit der Sprache beschäftigen. Denn die Sprache ist es wert.

Aber gerade für den Profi - also etwa für den Journalisten, den Schriftsteller, Texter, oder auch den Redner - halten diese Techniken zahlreiche Fallen bereit. Sprache ist nämlich ein recht empfindlicher Zeitgenosse. Sie mag Primitivität genauso wenig wie sie selbstherrlichen Professionalismus mag. Möchte weder auf intellektuellen Stelzen daherkommen noch im abgerissenen Jogginganzug. Ich meine, unsere Sprache fühlt sich eigentlich nur richtig wohl, wenn sie mit einer gewissen Lockerheit behandelt wird. Andererseits unterliegt alles was wir sagen - sei es mündlich oder schriftlich - Regeln zu Inhalt und Form. Wobei es keineswegs nur um Fehlerfreiheit und Korrektheit geht. Es geht auch um den Wirkungsgrad, und der hängt nicht zuletzt von der Einhaltung dieser Regeln ab.

Für alles in unserem alltäglichen Sprachgebrauch gibt es Definitionen - sie bilden den formellen Rahmen unserer sprachlichen Kommunikation. Ob zielorientierte Argumentation oder zwanglos-lockere Unterhaltung: alles folgt Regeln. Dass sich unsere Treue zum Reglement der meschlichen Sprache unter besonderen Umständen auch mal in Wohlgefallen auflöst sollte eine Ausnahme bleiben -  im Vollrausch etwa: da können sich unsere verbalen Ausdrucksmittel schon mal auf eine Handvoll Laute reduzieren, die scheinbar eher aus der tierischen Sprachwelt stammen.

ALLES GEREGELT

Im Grunde jedoch folgt unser Sprachverhalten einem gut organisierten Regelwerk. Bei belanglosen Plaudereien folgen wir dem eher automatisch, ohne dass wir uns der Systematik stets bewusst sind.
Wenn wir allerdings wir beim Reden gezielte Absichten verfolgen - womöglich sogar weil die Fähigkeit, andere zu überzeugen, Teil unseres Berufes ist - dann können wir zur Kommunikation bewusst effektive Werkzeuge einsetzen. Werfen wir also einen Blick in unseren sprachlichen

WERKZEUG-KASTEN

Dort finden wir z.B. sogenannte "rhetorische Figuren". Ach ja - es geht hier um "Rhetorik". Was ist das gleich nochmal? Der Begriff leitet sich vom altgriechischen 'rhetorike' ab, was übersetzt soviel bedeutet wie:

'Redekunst' oder 'Kunst der Rede'.

Manche meinen, erst durch die Beherrschung der Rhetorik ist es möglich, Menschen von einer Aussage zu überzeugen und Reden zu halten, denen man gern zuhört und die man im Gedächtnis behält.
Dieser Ansicht möchte ich nicht im absoluten Sinne zustimmen. Eine Aussage kann auch allein durch ihren Inhalt überzeugend sein. Wenn ich mich etwa vor eine Gruppe hungriger Menschen hinstelle (gleich neben dem Speisenbuffet, welches ich aufgebaut habe) reicht es wohl aus, wenn ich sage: "Esst!"
Angesichts des Hungers und des Appetits kann man da sicher auf weiter reichende Rhetorik verzichtet werden. Rhetorik ist mehr eine Kunstform - und Leben ist durchaus ohne Kunst möglich (wenn dies auch für Manchen schwer vorstellbar scheint).

Natürlich ist Rhetorik auch eine Wissenschaft, und wie jede Wissenschaft kann sie sowohl Segen als auch Fluch sein. Im positiven Falle werden durch die Anwendung von Rhetorik Gedanken klarer transportiert; werden Ziele deutlicher dargelegt. Ein Gespräch kann auf diese Weise bereichert- und dadurch zur Bereicherung werden.
Falsch angewandte, vielleicht gar mit niederen Zielen verbundene Rhetorik hingegen kann dazu führen, Menschen von Vorhaben zu überzeugen, die schädlich sind. Der machtgierige Politiker, der das Volk mit wohlgesetzten Worten von der Notwendigkeit eines Eroberungskrieges überzeugt, wäre dafür ein anschauliches Beispiel.

EINE FRAGE der TECHNIK

Es soll aber an dieser Stelle nicht um die Motivation von Rhetorik gehen - was ein Thema für sich wäre. Ich will vielmehr ihre technische Seite beleuchten und auf die Mittel zu ihrer Anwendung eingehen - auf die sogenannten "Rhetorischen Figuren":

Beginnen wir mit dem Oxymoron (griechisch: ὀξύμωρος). Diese wissenschaftliche Bezeichnung griechischen Ursprungs setzt sich zusammen aus den Wortteilen oxys (sinnig, auch: scharfsinnig) und moros (dumm).
Oxymoron nennt man eine Formulierung, die sich aus zwei gegensätzlichen, einander widersprechenden bzw. sogar sich gegenseitig ausschließenden Begriffen bildet. Flüssiggas ist ein solches Oxymoron. Und auch Hassliebe. Und kurioserweise ist der Begriff Oxymoron selbst ein solches.
Dieses rhetorische Mittel ermöglicht uns, mithilfe des gewollten inneren Gegensatzes dramatische Steigerungseffekte zu erzielen, und zwar indem man etwas eigentlich Unmögliches in den Raum stellt.

Ohne die Form eines Oxymorons wäre die Sprache - Verzeihung -  in einer Schönen Scheiße (gemerkt? Schöne Scheiße = Oxymoron). Traditionsbewusste Engländer an ihrer Club-Bar könnten zum Beispiel nie sagen: "Prost, alter Knabe!" Möglicherweise würde schnell beredtes Schweigen herrschen, und manches offene Geheimnis bliebe unausgesprochen.
Dank des Oxymorons wird auch Kurioses möglich - ob das wohl den Marketingleuten im Unternehmen Harley Davidson bewusst war, als sie auf die Idee kamen, einem ihrer Modelle den sich eigentlich selbst ausschließenden Namen "Harley Sportster" zu geben?

Aus rhetorischer Sicht ein Oxymoron: Harley Davidson "Sportster" (Bild: Harley Davidson)
Aus rhetorischer Sicht ein Oxymoron: Harley Davidson "Sportster" (Bild: Harley Davidson)

Oder waren sie vielleicht von Bill Gates inspiriert, dessen unter Computerfreaks gern belächelten Software-Namen "Microsoft Works"  man mit einem Augenzwinkern zu den Oxymora zählen kann. ("Microsoft Works" war der  Name eines "Office Pakets" zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation u. Datenbankverwaltung des Herstellers Microsoft - wurde von Anwendern häufig wegen seiner Fehler kritisiert).

Übrigens müssen wir Journalisten besonders gut aufpassen, damit wir uns nicht zum inflationären Gebrauch von Oxymora hinreißen lassen. Verlockend sind ja immer wieder Formulierungen wie Steuergerechtigkeit, Chinesische Pressefreiheit oder Ehrliche Politiker.

Wir werden permanent angehalten, uns sprachlich dicht an die Interne Peripherie zu halten. Themen gibt es ja genug: etwa die Amerikanische Nahost-Friedenspolitik - gewährleistet durch UN-Friedenstruppen. Die Lokalredaktion interessiert sich freilich mehr für die Eröffnung des neuen Hallenfreibades.
Wenn der Chefredakteur dem Lokalreporter wieder nur die üblichen vier Zeilen genehmigt, verlangt dieser mit einem Stummen Schrei nach Gerechtigkeit; bittet gar um eine Ausnahmeregel.
Nein!  entgegnet sein Chef: Weniger ist mehr. Und verwendet dabei unbewusst ein sogenanntes Paradoxon - doch dazu später.

Wenden wir uns nun einer weiteren rhetorischen Figur zu - der Tautologie (altgriech.: ταὐτό=τὸ αὐτό/to autó: dasselbe und λόγος lógos: Sprechen, Rede). Diese bildet das Gegengewicht zum Oxymoron und bedient sich ohne Rast und Ruh' dem Stilmittel der inhaltlichen Wiederholung, welches mithilfe von sinngleichen- aber unterschiedlichen Wörtern realisiert wird. In Schulzeugnissen findet sich oft ein gutes Beispiel für eine Tautologie:

"Seine Leistungen waren voll und ganz  zufriedenstellend". In meinen Zeugnissen kam diese Aussage leider nie und nimmer  vor - abgesehen von der Eins in Deutsch; viel häufiger waren in Reih und Glied Ziffern oberhalb des Zahlenwertes Drei vertreten. Weshalb mir am Zeugnistag auf dem Nachhauseweg immer Angst und Bange war.

Die pompöse Abschlussfeier mit Zeugnisausgabe am allerletzten Schultag erlebten meine ahnungslosen, festlich herausgeputzten Eltern daher in Schimpf und Schande - hatte ich ihnen doch stets vorgegaukelt, mit meinen schulischen Leistungen wäre alles in Ordnung. War es auch, ganz im Gegensatz zu meinem Betragen. Dafür erhielt ich nämlich die mit Abstand schlimmste Bewertung der gesamten Klasse. Der Direktor widmete in seiner Abschlussrede diesem Aspekt ein komplettes Kapitel. Er verwendete dazu unmissverständliche Worte, wodurch sich meine Eltern aus Scham veranlasst sahen, die Party frühzeitig mit Sack und Pack zu verlassen.

Unter Zuhilfenahme von Tautologien könnte ein Klatschreporter z.B. berichten, dass ein bekannter Star hinter Schloss und Riegel wanderte, weil er die Biografie über sein Leben mittels drahtloser Funkübertragung als Gratis-Geschenk unerlaubt ins Ausland exportierte, versehen mit einem handsignierten Autogramm. Darauf hin habe er von seinem Manager ein böses Schreiben erhalten, in dessen beiliegender Anlage dieser ganz deutlich seinem emotionalen Gefühl von Enttäuschung Ausdruck verlieh. Mit der Folgekonsequenz einer sofortigen Kündigung.

Der imaginäre Text könnte weitere Tautologien enthalten:
"Aus Rache habe der Manager dann verhindert, dass besagte Biographie eine für den Buchhandel wichtige ISBN-Nummer zugeteilt bekam (ISBN = International Standard Book Number).
Klammheimlich (lat. clam = heimlich) sorgte er dafür - und das zeugt von viel Mut zur Courage -  dass der Druck des Manuskripts nicht weiter fortgesetzt werden konnte. Wodurch dieses Werk ein seltenes Einzelstück blieb. Von all dem merkte der Autor zunächst nichts, weil er beruflich viel mobil unterwegs ist.
Erst später konnte er sich alles zusammen kombinieren und kümmerte sich persönlich um einen neuen Verlag. Von diesem wurde er hoch bezahlt und hatte wieder soviel Geld auf dem Konto, dass er von der Bank bald eine neue Liste mit TAN-Nummern (TAN - TransAktionsNummer) brauchte.
Er gab viel aus, ließ beispielsweise sein Haus neu renovieren und zur Einfahrt eine Allee mit Bäumen anlegen, die zu einem runden Kreis von Marmorfliesen führte. Auch im Haus selbst sorgte er für jede Menge bequemen Komfort. Geschäftsreisen erledigte er bald im eigenen Düsenjet (Jet = engl. für Düse).

Taucht man tiefer in das Thema "Rhetorische Figuren" ein, so merkt man schnell: auf diesem Gebiet scheint wirklich alles möglich zu sein. Auch Paradoxes hat seinen Platz und wird sogar selbst zur rhetorischen Figur namens Paradoxon (Spätlatein: paradoxus-unüblich, unerwartet; altgriechisch:  παράδοξον-von παρα-para: gegen, δόξα-doxa: Ansicht / Meinung)
Mit dem Paradoxon werden Aussagen bezeichnet, die einen scheinbar unauflösbaren Widerspruch enthalten und dadurch eine Idee absurd darstellen. Wusste unser Schwimmlehrer in der Unterstufe, dass er sich eines Paradoxons bediente, wenn er den weniger geschickten Schülern zurief "Ihr schwimmt wie bleierne Enten ...!" ?

Wenn behauptet wird, zwei Glatzköpfe würden sich in die Haare kriegen, dann haben wir es im rhetorischen Sinne mit einem Paradoxon zu tun. Wer androht, er würde uns "auf den Mond schießen", verwendet ein Paradoxon. Es sei denn, er wäre der Chef einer Weltraum-Mission und wir wären Astronauten.

In meiner Schulzeit wurde ich immer wieder mit einem waschechten Paradoxon konfrontiert, obgleich ich allerdings noch nichts über den sprachwissenschaftlichen Hintergrund  desselben wusste. Wenn ich - wie so oft - eine von Flüchtigkeitsfehlern strotzende schriftliche Arbeit viel zu schnell abgab, bekam ich von den Lehrern zu hören: "Langsamer ist schneller!"  Ein perfektes Paradoxon - und wie mir heute klar ist: eine Aussage nicht ohne Wahrheitsgehalt.

Ein sehr bekanntes Paradoxon wird dem Philosophen Sokrates (griech. Σωκράτης, *469 v.Chr. in Alopeke, Athen - 399 v.Chr. in Athen) zugeschrieben - das da lautet:
"Ich weiß, dass ich nichts weiß."

Berühmt wurde auch ein Paradoxon aus der Feder von Friedrich Schiller, und zwar im Drama "Don Carlos": "Der Entwurf ist teuflisch, aber wahrlich - göttlich."  
Warum noch weitere Beispiele anführen? - "Weniger ist mehr".

Die nächste rhetorische Figur ist quasi eine "aus dem täglichen Leben". Jedem von uns ist sie wahrscheinlich schon oft begegnet - die Aposiopese (kommt von griech.: ἀποσιωπάω - aposiopao: verstummen, abbrechen). Diese Bezeichnung steht für den Abbruch eines Satzes: Sie wissen schon ... Vorgesetzte greifen aus einer gewissen Resignation auf die Aposiopese zurück, wenn sie mal wieder jene Drohung ausstoßen, von der sie längst wissen dass sie niemanden beeindrucken wird: "Machen Sie nur so weiter, dann ...!"

Auch die Mutter bedient sich einer Aposiopese, wenn sie gegenüber ihrem vorlauten Bengel mit drohend erhobenem Wischmopp ankündigt: "Ich werd' dir gleich ...!" Worauf der solchermaßen Bedrohte - ebenfalls in Anwendung einer Aposiopese - unter Umständen nuschelt: "Die kann mich mal ..."  Im Weglaufen erreicht ihn noch (akustisch, aber ohne Wirkung zu erzielen) ein kraftloses, aposiopesisches "Ich hau' dir gleich ..." 

Ein typisches Beispiel der Aposiopese finden wir in Friedrich Schillers Drama "Die Räuber": "Es war eine Zeit - Lasst mich allein, Kameraden!"  Der Abbruch erfolgt hier in der Satzmitte.

Kommen wir nun zu einer rhetorischen Figur, die Autoren gern anwenden, wenn sie Personen charakterisieren wollen, deren Auftreten oder Handlungsweise hinter der erzählerischen Zeitebene liegt.

Der Archaismus
In Archaismen (altgriechisch, latinisiert: ἀρχαῖος archaĩos = alt, ehemalig) kommen altmodische, nicht zeitgemäße Ausdrücke zum Einsatz, die im heutigen Sprachgebrauch eigentlich kaum mehr verwendet werden. Sie eignen sich gut dazu, fühlbar zu machen dass die zeitliche Handlungsebene in der Vergangenheit liegt. Zum Beispiel:
"... sein Oheim (altertüml.: Onkel) zahlte ihm monatlich ..."
Oder auch:
"... für jede Übertretung gab es Schelte ..." (statt etwa: wurde ich gemobbt) Und: "fürwahr!" (als Ausdruck der Bekräftigung - etwa an Stelle von "in der Tat", "tatsächlich" ...) 

Das Stilmittel Archaismus wäre mir beim Schreiben zum Beispiel willkommen, um die Figur eines schrulligen Privatdetektives von alter Schule zu charakterisieren, der im Zeitalter von digitalen Tonquellen "immer noch mit seinem alten Walkman herumläuft. Beim Laufen wackeln die klobigen Kopfhörer um seine Ohren ..."  oder:
"... Vom alten Trenchcoat, den ihm sein Großvater hinterlassen hatte, konnte er sich einfach nicht trennen. Das zwar längst zerschlissene Futter fühlte sich selbst in langen Regennächten so heimelig an - kein synthetisches Material könnte da je mithalten ..."
Auch einzelne Worte können sich als Archaismus eignen bzw. diese rhetorische Figur unterstützen: Bengel, Schutzmann, Karosse, Droschke, Gasthaus, Gaslicht, Volksbad, Tornister, Pomade, Walkman, Plattenspieler, Barbier, Grammophon ...

Ein wirkungsvolles Stilmittel, um eine getroffene Aussage zu bekräftigen, wäre das Conversio
Dabei wird am Ende des Satzes ein Wort wiederholt und dadurch die getroffene Aussage unterstrichen/verstärkt: "Überall war Feuer, alles brannte lichterloh, überall Feuer, nichts als Feuer."
Oder:
Er wusste nicht, wielange er schon so durch die Stadt hetzte. Er rannte und rannte.
Und auch:
Am Ende des Monats hatte er grundsätzlich keinen Cent übrig, keinen einzigen mageren Cent.

Weiter geht's mit dem

Concessio (lateinisch für "Eingeständnis"; griechisch: παρομολογία = paromología), in veraltetem Griechisch auch Paromologie genannt. Es ist besonders aus der antiken Gerichtsrhetorik bekannt. Beim Concessio räumt man die Richtigkeit eines Argumentes ein, ergänzt es aber mit eigenen Aussagen, die das vorangegangene Argument einschränken bzw. sogar negieren:
"Er mag recht haben, aber ich stimme ihm nicht zu."
"Gewiss hat er mir Schaden zugefügt - aber ich werde ihn dafür nicht hassen" "Ich will nicht glauben, was wir alle mit eigenen Augen gesehen haben."

Mithilfe des folgenden rhetorischen Stilmittels trifft man eine Aussage und korrigiert bzw. ersetzt diese dann unmittelbar durch einen stärkeren oder treffenderen Begriff. Diese Technik heißt  Correctio , und sie nutzt die Taktik der Selbstberichtigung - jedoch nicht, um eine getätigte Aussage zurück zu nehmen, sondern um sie zu verstärken. Zum Beispiel:
"Diese Leute essen ununterbrochen - nein, stimmt nicht: Sie fressen!"
Oder:
"Du siehst überhaupt nicht mehr krank aus; kerngesund wirkst du!"
Die beschreibende Formulierung "nicht mehr krank" wird hier durch das Adjektiv "kerngesund" ersetzt. Man berichtigt sich quasi selbst und erreicht so eine Verstärkung der Aussage. Wie auch in diesem Beispiel:
"Ich war auf dem Weg zum Sieg - mehr noch: ich dominierte meinen Gegner."  Und noch eins:
"Wir werden nicht aufhören, unsere Meinung laut zu verkünden - nein: herausschreien werden wir sie!"

Also gut - Zugabe:
"Es schmeckte köstlich; ach was: es war eine Offenbahrung!"

Zum Abschluss des Themas Correctio ein anschauliches Beispiel aus der Feder von Heinrich Heine - übrigens handelt es sich dabei sogar eine doppelte Berichtigung, die insgesamt zu einer dreigliedrigen Steigerung führt:
"Sie lieben, Madame? Nein, Sie anbeten, auf Händen tragen!"

Eine besondere Erscheinungsform der Correctio ist die

Metaphrase (griechisch: μετάφρασις = Übersetzung, aus μετά = hinterher und φράση = Ausdruck, Satz, Wendung)
Ein Synonym wird zur Erklärung eines Wortes von exakt gleicher Bedeutung benutzt. So wie hier: "Wer hat so laut herumgeschrien?" - "Das war die Nachbarin, die Alte vom dritten Stock!"

Der Metaphrase gegenüber steht die
Paraphrase (von altgriechisch:
παρά pará = daneben bzw. dabei und φράζειν phrázein = reden, sagen).  
Dabei handelt es sich - sprachwissenschaftlich betrachtet -  um eine mehrdeutige Wendung/einen mehrdeutigen Begriff, die/der sinngemäß wirkt und ohne eine exakte Textwiederholung funktioniert. Hier einige Beispiele:

Redner 1:
"Hier riecht es etwas streng. Da hat sich wohl jemand schlecht benommen?"

 Redner 2 antwortet mit einer Paraphrase:
"Stört es Sie sehr? Soll ich etwas Raumspray versprühen?"

Oder

 Redner 1:
"Ich gehe dort nicht so gern hin - fühle mich immer wie auf einer Beerdigung."

 Redner 2:
"Heißt das, du hättest es lieber wenn wir uns alle etwas legerer kleiden würden?"

Die beiden folgenden Rhetorischen Figuren sind sozusagen miteinander verwandt - die Geschwister heißen Euphemismus und Dysphemismus. Zuerst zum

Euphemismus - griechisch εὐφημία, lateinisiert euphēmía - beides bedeutet soviel wie: Etwas von guter Bedeutung sagen. Sozusagen beschönigend.
Der Euphemismus wird gern zur Abmilderung - ja sogar zur Verschleierung negativer Aspekte genutzt.

Politiker wissen um die mildernde Wirkung von Euphemismen und verwenden sie deshalb gern, um etwa von existierenden Mißständen oder gar Gefahren abzulenken. Sogenannte "Political Correctness" bedient sich gern sprachpolitischer Maßnahmen.
Ein Krieg ist ausgebrochen? Nachrichtensprecher verwenden dann schonmal den Euphemismus "Der Friedenszustand konnte nicht dauerhaft aufrecht erhalten werden ..."

Auch Wirtschaftsfunktionäre haben den Euphenismus längst für sich entdeckt und nutzen ihn gern zum Zwecke der Beschönigung. Einen klaren ökonomischen Verlust erklären sie kurzerhand zum "Nullwachstum". Auch wenn uns allen natürlich klar ist: der Zahlenwert Null kann kein Wachstum bezeichnen.
Es lebe der Euphemismus! Er macht den ordinären Puff zum Freudenhaus, kürt den Hausmeister zum Facility Manager, das viel zu teure Flughafenprojekt zur Investition in die Zukunft, den Bauern zum Landwirt, die Zwangsversteigerung zur Liquidation, den Vertreter zum Handlungsreisenden, die Massen-Entlassung zur Freisetzung von Ressourcen, die Fettleibigkeit zu Übergewicht und die Freundin eines Heiratsmuffels zur Lebensabschnittsgefährtin ...

Gegenpol zum Euphemismus ist der Dysphemismus - er drückt eine negative Wertung aus bzw. ist mit einem negativen Eindruck verknüpft. Durch ihn wird der Gegenstand einer Darstellung verunglimpft mit dem Ziel, ihn in Missachtung zu bringen. Statt einer wertneutralen Ausdrucksweise artikuliert man sich beim Dysphemismus wertend bzw. abwertend.

Wir Journalisten durchlaufen oft ein Wechselbad zwischen euphemistischer- und dysphemistischer Wertung: wenn man mit unseren Arbeiten zufrieden ist sind wir "Journalisten" - treten wir aber jemandem auf die Füße, dann werden wir schnell zu "Schreiberlingen" oder gar zu "Schmierfinken" degradiert. 

Ganz ähnlich geht es dem Revolutionär (Euphemismus), der je nach politischer Interessenlage plötzlich zum Terroristen wird (Dysphemismus).

DIE UNTERSCHÄTZE FIGUR

Floskel. Diese Rhetorische Figur gehört eindeutig zu den Lieblingsspielzeugen von Managern oder auch von Politikern. Zumindest was die heutzutage weit verbreitete (aber unrichtige) Definition dieses Begriffes anbelangt. Mittlerweile  finden sich auch in seriösen Nachschlagewerken Begriffserklärungen wie etwa: Floskel = Nichtssagende Redensart, Inhaltloses Gerede, Rein formale Redensart oder sogar eine Inhaltsleere Sprachhülse.

Wäre die Floskel ein lebendes Wesen mit Bürgerrechten, dann würde sie wohl längst vor zahlreichen Gerichten wegen Verleumdung geklagt haben. Denn alles was in der o.g. Definition steht ist falsch.
Der negative Ruf der Floskel existiert zu Unrecht, wie schon die Übersetzung des lateinischen Wortes Flosculus nahelegt: Es bedeutet schlichtweg: Das Blümchen. 

"Ich bin der Ansicht - und dazu habe ich mich unter enormen Schwierigkeiten durchgerungen - dass ich es mir mit meiner Meinung nicht leicht machen darf. Nach reiflicher Abwägung sehe ich daher in diesem Falle die Chance, unsere Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Im Grunde will ich dabei darauf hinweisen, dass man im Einzelfall keine voreiligen Schlüsse ziehen darf, die unsere Grundsätze der Meinunsbildung in Frage stellen würden." (ein fiktives, aber realistisches Beispiel)
Hier wird die Rede durch Floskeln künstlich aufgeplustert und in die Länge gezogen - die meisten der verwendeten Worte bringen keine zusätzlichen Informationen und sind nur (sinnloses) Schmuckwerk.

In Wirklichekeit hat die Floskel eine durchaus ehrenwerte Vergangenheit:
In der Antike bezeichnete man so einen Denkspruch bzw. Sinnspruch, der seine Autorität aus konkreter Knappheit und vielseitiger Anwendbarkeit zog. Die Floskel zählte zu den klugen Denksätzen.
Das hat sich mittlerweile leider geändert - die Floskel ist zum sinnentleerten, wertlosen Blablabla verkommen. In unserer Sprachgegenwart wird sie präsentiert mit Aussagen wie:

"An dieser Stelle möchte ich bemerken ..."

"Diesbezüglich stelle ich fest ..." 
"Letztendlich komme ich zu dem Schluss ..."

"Im Endeffekt zeigte sich ..."

"Das ist nicht wirklich zutreffend ... "
"Ich will mal so sagen ..."

Die US-amerikanische Online-Zeitung "The Huffington Post" hat eine Hitliste von zum Nachdenken anregenden typischen Management-Bürofloskeln veröffentlicht:

1.
"Im Aftersales-Prozess sollten wir noch mal nachlegen, um uns wieder besser im Markt zu positionieren." Heißt: Wir haben's verkackt: Uns wandern die Stammkunden zur Konkurrenz ab.

2.
"Wir setzen uns in einem Meeting zusammen, um in dieser Frage zu einer finalen Entscheidung zu kommen." Heißt: Wir kommen zusammen, um zu überlegen wie oft wir noch zusammen kommen müssen, um irgendwann mal eine Entscheidung zu treffen.

 3.
"Mit unseren Human-Capital-Resources sind wir in der Lage, neue Marktsegmente zu penetrieren." Heißt: Unsere Mitarbeiter sollen sich gefälligst den Arsch aufreißen, um unsere Produkte an noch mehr Menschen zu verkaufen.

4.
"Wir gehen mit Herausforderungen möglichst lösungsorientiert um." Heißt: Wir überlegen nicht lange, woher die Probleme kommen. Wir versuchen, sie möglichst schnell vom Tisch zu kriegen - oder kehren sie unter den Teppich.

5.
"Die Präsentation ist so mittelprächtig angekommen." Heißt: Die Präsentation war stinklangweilig.

6.
"Wir leben in unserem Unternehmen eine bestimmte Philosophie." Heißt: Bei uns gibt's klare Regeln. Wem das nicht passt der hätte vielleicht besser Kulturwissenschaften studieren sollen.

7.
"Wir sollten das Projekt proaktiver angehen." Heißt: Wir sollten jetzt mit der Sache endlich mal anfangen.

8.
"Einer wird bei diesem Projekt als Schnittstelle fungieren müssen." Heißt: Einer wird bei diesem Projekt in Arbeit untergehen.

9.
"Vom Wording her müssen wir da noch viel subtiler werden." Heißt: Wir müssen uns noch viel unkonkreter ausdrücken, damit uns niemand auf unsere Ausführungen festnageln kann.

10.
"Wie ist hier der vorgegebene Zeithorizont?" Heißt: Wielange kann ich den Job noch vor mir herschieben, bis es eng wird?

Zurück zu unserem Thema "Rhetorische Figuren" - hier eine weitere:

Das Gleichnis  

Ein meist kurzer Text, der zur Veranschaulichung einer Situation oder eines Sachverhaltes dient. Meist wird dabei Gesagtes mit Gemeintem verglichen. In der Literatur dienen Gleichnisse der "bildhaften" Veranschaulichung eines Sachverhaltes oder Geschehens."

Beispiele: 
"Die Nachricht schlug ein wie ein Blitz aus heiterem Himmel." (wahlweise auch: wie eine Bombe)

"Er sprang auf wie von der Tarantel gestochen."

"Er wurde rot wie eine Tomate."

Ein Stilmittel der Übertreibung ist unser nächster Kandidat. Es eignet sich gut dafür, eine Gefühlsintensität zu verdeutlichen. Ist dabei gern komisch-witzig und führt so die Glaubwürdigkeit der Aussage absichtlich durch Übertreibung ad absurdum. Gestatten: Die Hyperbel.

Hyperbel (von griech.: hyperbole = übertreffen, übertreiben:

Heinrich Heine liefert ein passendes Beispiel:
"Ein Schneidergesell ... so dünn, dass die Sterne durchscheinen konnten."

Von Gottfried Benn erfahren wir in Hyperbelform über eine Schwerverletzte:
"Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern. 

Und weitere Beispiele, die wir alle kennen:
"Er wollte die ganze Welt umarmen."  
"Ich musste unendlich lange warten."

"Ein Mund wie ein Scheunentor."
"Ich habe dich zum Fressen gern!"

"Wie Sand am Meer"

Schnell noch ein Ausflug ins Komische - ebenfalls im Stilmittel Hyperbel:
Der Bauleiter zu seinen Arbeitern:
"Nehmt euch ein Beispiel an der Konkurrenz: Da wird nicht krankgefeiert. Wenn da einer Schüttelfrost hat meldet er sich zum Sandsieben!"

Fertigmachen für das Stilmittel Imperativ !!!

Die drei Ausrufezeichen in der Überschrift sollen es symbolisieren: Imperativ nennt man in der Rhetorik eine ausgerufene Aufforderung. Er erzeugt beim Leser erhöhte Aufmerksamkeit durch den Befehlscharakter - u.a. zu finden in militärischen Befehlen

"Aufgepasst!"  oder "Hände hoch!" und  "Ihre Papiere bitte!" oder auch "Deckung!" sind Exempel für den Imperativ.

Ebenfalls für einen Ausruf steht die Interjektion .
Sie ist hilfreich bei der Darstellung einer bestimmten Gefühlslage:

"Pfui!"  "Igitt!" "Ah!" "Mist!"

Der Name unserer nächsten Rhetorischen Figur kommt Manchem vielleicht eher aus der literarischen Schmuddel -Ecke bekannt vor:

Klimax (altgriech.: klimax = Leiter, Treppe) 

In der sexuell gefärbten Literatur, die nicht zwingend schmuddelig sein muss, wird damit ein Höhepunkt der körperlichen Leidenschaft lateinisiert. Bei uns hier geht es stubenrein zu - deshalb die rein rhetorisch bezogene Definition von Klimax:
Die stufenweise literarische Steigerung von Ausdrücken; vom weniger Wichtigen zum Wichtigeren. Dadurch erfolgt eine erhebliche Verstärkung der Gesamtaussage, was meist in drei Stufen praktiziert wird:

"Zehn, zwanzig, ja dreißig Meter weit flogen die Trümmer umher ..."

"Er wartete drei, vier, fünf Stunden, dann hatte er genug ..."

Anschauliche Beispiele liefert uns mal wieder Friedrich von Schiller:

"Er sei mein Freund, mein Engel, mein Gott" (aus Die Räuber)

"Er weint, er ist bezwungen, er ist unser!" (aus Die Jungfrau von Orleans) 

Und schließlich ein letztes Klimax-Beispiel - serviert von Georg Büchner im "Woyzeck": "... das ist schlecht; die Welt wird schlecht, sehr schlecht."

Den Gegenpol zum Klimax bildet der

Antiklimax - hier wird ein Ausdruck schrittweise in der Aussage reduziert:
"Sie haben ihm alles genommen: erst das Leben, dann die Ehre und schließlich seinen Namen" stellt (vom Wert her betrachtet) eine Antisteigerung dar.
Perfekt veranschaulichen lässt sich das Rhetorische Stilmittel "Antiklimax" mit einem Satz aus der Feder von Bertold Brecht im "Das Leben des Galiliei":
"Um den Papst zirkulieren die Kardinäle. Um die Kardinäle zirkulieren die Bischöfe. Um die Bischöfe zirkulieren die Sekretäre."

Nun zu einem Stilmittel, das ich gern anwende wegen seiner assoziativen Kraft:
Die  Lautmalerei
Hierbei wird eine "Geräuschumgebung" literarisch dargestellt mittels des Versuches, umgebungs- oder situationstypische Geräusche (be)greifbar zu gestalten. Stellen wir uns eine Gerichtsverhandlung vor. Sie ist in der Endphase, alle erwarten gespannt das richterliche Urteil. Die Strafe fällt hoch aus. Mithilfe der Lautmalerei kann man das gut illustrieren:

"Rumms! Der Hammer des Richters bringt die endgültige Gewissheit - der Angeklagte wird für lange Zeit nicht die Luft der Freiheit atmen können."

Oder wir wollen verbal das Leben auf dem Bauernhof illustrieren. Die Bäuerin erwacht:
"Gackgackgack - Kein noch so teurer Wecker könnte so gute Arbeit leisten wie es jeden Morgen die Hühner tun ..."

Wollen wir mittels Sprache etwas besonders bildlich darstellen? Dabei hilft uns die
Metapher
Bildsprachliche Ausdrucksform, die sich eines Wortes
übertragenen Sinne bedient:
"Der Regen trommelt ..."  
"Die Sonne lacht"
"Am Knie der Donau ..."

An dieser Stelle möchte ich - bevor ich es vergesse - auf etwas eingehen das mir persönlich besonders gefällt, weshalb ich es gern anwende: den Einschub = die

Paranthese :
Demonstriert habe ich dieses Stilmittel - wie Sie bemerkt haben - schon einen Satz weiter oben. Wenn ein Teil einer Äußerung innerhalb eines Satzes quasi abgetrennt existiert, er dabei jedoch nicht in dessen Syntax-Struktur integriert ist, dann heißt das Paranthese.

Bei der Paranthese unterbricht beispielsweise der Redner seinen Satz mit einem Einschub. Etwa: "Am besten wird es sein - wie so oft - ich erkläre die Sache anhand eines simplen Beispieles ..." Oder haben Sie die Thematik - was ich annehme - bereits von Anfang an verstanden?  

Es kann schonmal vorkommen dass wir etwas - eine Figur oder eine Sache - bewusst in einem negativen Licht erscheinen lassen möchten. Warum dazu nicht das Stilmittel Pejoration verwenden? So nennt man die gezielte Negativierung von Begriffen, etwa:
"Viehzeug" anstelle von Getier
"Fusel" für Branntwein
"Köter" statt Hund

Stilistische Möglichkeiten zur Formwahrung beim Schreiben oder Reden bietet uns die Periphrase (griech.: peri = um, herum  phrazein = reden)
Sie ist das ultimative Stilmittel der Umschreibung. Für uns Autoren ist sie deshalb ein wichtiges Instrument, weil wir damit dem sehr verpönten Fehler der Wortwiederholung effektiv entgegen wirken können.
Wiederholungsfehler - im Schulunterricht wurden uns diese vom Deutschlehrer scharf angekreidet - sie wirken unprofessionel und unschön. Sie vermitteln den Eindruck von Phantasiemangel bzw. lassen einen begrenzten Wortschatz vermuten. Beim Lesen kann es passieren, dass wir über unschöne Wiederholungen regelrecht "stolpern".

Für Abhilfe kann - wie gesagt - die Periphrase sorgen. Mit ihr bietet sich uns z.B. die Möglichkeit, Personen zu benennen, ohne immer wieder deren Namen wiederholen zu müssen:
Robin Hood = "Der Rächer der Armen"  
Friedrich Ludwig Jahn = "Turnvater Jahn"
Ludwig Erhard = "Der Vater des Wirtschaftswunders"
Auch bei abwechslungsreicher Beschreibung von Gegenständen oder Handlungen hilft die Periphrase gegen die unbeliebten "Schönheitsfehler durch Wiederholung":
Anfangen zu weinen: In Tränen ausbrechen  
Hunger haben: Der Magen knurrt  
Jemanden schimpfen: Ihm den Kopf waschen  
Italien: Das Land wo die Zitronen blühn (Goethes Idee)

"Auch ich in Arkadien ... " J.W.v. Goethe im "Land wo die Zitronen blühn" (Italien)
"Auch ich in Arkadien ... " J.W.v. Goethe im "Land wo die Zitronen blühn" (Italien)

Personifikation nennen wir eine der am häufigsten vorkommenden rhetorischen Figuren. Durch sie wird aus einer Sache, aus einem Ding oder einer Idee eine Person gemacht; es wird mit Leben versehen was eigentlich nicht lebt. Dies erreicht man durch die Zuordnung von Fähigkeiten oder Eigenschaften, über die eigentlich nur Lebewesen verfügen. Sprachliches wird dadurch lebendig und anschaulich. Eine Form der Personifikation erleben wir zum Beispiel, wenn in den Nachrichten die Finanzlage beschrieben wird:

"Der EURO geht in die Knie."

In der Lyrik begegnet uns die Personifikation oft mit schöneren Inhalten, wenn etwa "die Sonne ihr wärmend-goldenes Tuch um uns hüllt" nachdem wir eine kalte Nacht im Schlafsack hinter uns haben.
Wenn uns dann "der laue Südwind streichelt mit seinen sanften Händen". Falls andererseits nicht gerade "der Wind wütend um die Ecke heult". 

Die Trauerweide im Garten " schirmt das Liebespaar diskret vor neugierigen Blicken ab" - klingt das ein wenig schwülstig? Na ja: aber es ist ein schönes Beispiel für eine Personifikation. Und ist doch besser als würde den ganzen Tag "der Himmel weinen" oder der Winter "... Schauer körnigen Eises über die grünende Flur jagen" (nochmals danke, verehrter Herr Goethe).

Unter dem humorigen Decknamen "Doppelt Gemoppelt" begegnet uns nun die Figur

Pleonasmus :
Das ist die Bezeichnung für eine Häufung von im Wortlaut zwar verschiedenen -, in ihrer Bedeutung aber gleichen Worten. Hier ein paar passende Beispiele dafür:
"runder Ball" "alter Rentner" "schwarzer Rappen" "riesiger Koloss"

Spaß soll sein, und er hat auch durchaus seinen Platz im Fachgebiet der Rhetorischen Figuren. Damit eine Formulierung wirklich spaßig und/oder witzig sein kann gibt es die
Pointe

Sachlich definiert handelt es sich dabei um eine überraschende und unverhoffte Wendung oder Zuspitzung. Bitte ein Beispiel, hochgeschätzter Herr Wilhelm Busch:

"Wenn einer, der mit Mühe kaum

Gekrochen ist auf einen Baum,

Schon meint dass er ein Vogel wär

So irrt sich der."

In einem Internet-Forum fand ich folgende Erläuterung des Begriffes "Pointe", die ich trotz oder gerade wegen ihrer unwissenschaftlichen Naivität (im positiven Sinne) lustig fand: Pointe ist "Die Schlussfolgerung, wieso der Witz witzig ist." Das hat irgendwie was.
Der Begriff "Pointe" leitet sich von französ.: pointe = Spitze bzw. von spätlateinisch.: puncta = Stich ab.
Er bezeichnet einen überraschenden Schluss eines rhetorischen Ablaufes - oft eines Witzes.

Die Komik ergibt sich dabei aus der plötzlichen und überraschenden Erkenntnis sinniger Zusammenhänge, die aber konzeptionell gar nicht zusammenpassen.
Auch die unerwartete Wende einer dramatischen Handlung nennt man Pointe. Kurzgeschichten enden oft mit einer Pointe, Anekdoten immer.

Pointen sind einerseits schwer zu erfinden (versuchen Sie mal, einen guten Witz zu konstruieren) - aber wenn man aufmerksam durch's Leben geht kann man sie relativ gut finden:
Auf der Farbdose, die ich im Baumarkt gekauft habe, stand geschrieben: "Vor Gebrauch eine zeitlang auf den Kopf stellen". Als meine Frau von der Arbeit nachhause kam wunderte sie sich, warum ich neben einer Farbdose einen Kopfstand vollführe.

Eine kleine Auflockerung in trockenen, theoretischen Abhandlungen wie dieser hier dürfte willkommen sein - deshalb noch ein Beispiel für eine Pointe. Ein Witz. Danke, lieber Dr. Eckart von Hirschhausen: 
Ein Mann geht frühmorgens im Nebel auf's Eis, um zu angeln. Er will sich gerade ein Loch hacken, da hört er eine tiefe Stimme von oben:

"Hier gibt es keine Fische!"

Er wundert sich, denkt, er habe sich das eingebildet, und hackt weiter. Doch wieder ertönt laut die Stimme:
"Hier gibt es keine Fische!"
Diesmal ist er sich sicher, das ist keine Einbildung! Ganz zaghaft wendet der Mann seinen Kopf gen Himmel und fragt: "Herr, bist du es?"
"Nein" antwortet die Stimme "ich bin der Sprecher des Eisstadions!"