ABSOLUTE BEGINNER: die Story meines allerersten Photos

Wenn wir heutezutage als Photojournalisten unterwegs sind, dann begleitet uns eine Menge Equipment. Kameras, diverse Objektive, Licht-Technik, Notebooks, Reflektoren, Stative - nicht selten ist der Stauraum des Einsatzfahrzeuges bis zu den Vordersitzen damit belegt.

Aufbruch zum Reportage-Einsatz: Equipment bis unters Dach (Photo: INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch)
Aufbruch zum Reportage-Einsatz: Equipment bis unters Dach (Photo: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch)
Aufbruch zum Reportage-Einsatz: Equipment bis unters Dach (Photo: INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch)
Aufbruch zum Reportage-Einsatz: Equipment bis unters Dach (Photo: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch)

Das war nicht von Anfang an so. Meinen Berufseinstieg (das ist schon eine Weile her) begann ich mit einer einzigen Kamera. Der Vergleich mit einem Sprung in das kalte Wasser wäre sicher zutreffend, würde aber die Situation verharmlosen. Nicht allein in kaltes Wasser hatte ich zu springen - nein: auch in tiefes. Obwohl ich in Sachen Photographie quasi noch ein "Nichtschwimmer" war, um bei dem symbolischen Bild zu bleiben.

Die Story beginnt damit, dass mir ein guter Bekannter seine damals bereits ziemlich betagte Photokamera hinterließ - eine Nikon F3.

Markierte den Beginn meiner Laufbahn als Photo-Journalist: eine Nikon F3
Markierte den Beginn meiner Laufbahn als Photo-Journalist: eine Nikon F3

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich als freier Journalist für die Textredaktion einer guten Tageszeitung. In Sachen Photographie war ich, wie erwähnt, ein blutiger Anfänger. Abgesehen von ein paar ungeschickten Schnappschüssen, die ich als Kind und als Jugendlicher mit der klobigen Box meines Vaters - später mit einer preisgünstigen Mittelformat-Knipskiste aus Bakelit zuwege gebracht hatte, fehlte mir noch jegliche Erfahrung auf diesem Gebiet.

Budget-Kürzungen im Verlag führten seinerzeit dazu, dass  aus Kostengründen haus-intern die Redaktionen "Wort" und "Bild" fusioniert wurden. Was zur Folge hatte, dass jeder schreibende Kollege fortan auch die Photos zu seinen Berichten liefern musste. Wer das nicht konnte war praktisch draußen.  Ich hatte ein Problem. Und keine Ahnung.  Aber wenigstens hatte ich eine Kamera - besagte Nikon F3. Mit der umzugehen ich nun allerdings im Schnellverfahren lernen musste. In meiner Not begab ich mich samt Kamera in ein nahegelegenes Photogeschäft, erklärte dem Verkäufer meine Lage und bat ihn um eine Unterweisung am geerbten Apparat. Gute zwanzig Minuten später hatte ich einen Film in der Kamera, wusste wie man den Auslöser drückt  und zum nächsten Frame spult. "Bitte stellen Sie mir das Ding auf das heutige Wetter ein - dankeschön - wenn der Film alle ist komme ich wieder." So einem Kunden wird der Mann auch nicht jeden Tag begegnet sein.

Zwei Tage nachdem ich den Film (im selben Laden) zum Entwickeln gegeben hatte erschien ich, um die Ergebnisse meines Schaffens abzuholen.

Der  Gesichtsausdruck des besagten Fachverkäufers rangierte zwischen Bedauern und Anerkennung, als er mich informierte:

"Die ersten elf Bilder sind total vergeigt. Nichts drauf zu sehen. Aber das letzte ist GENIAL!" 

Mein erstes Photo: Bettler auf Brücke-Bildrechte: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch (Scan vom originalen Barytpapier-Print)
Mein erstes Photo: Bettler auf Brücke-Bildrechte: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch (Scan vom originalen Barytpapier-Print)

Vielleicht nicht gleich genial, aber zumindest gelungen genug für Seite Zwei fand es auch der Chefredakteur vom Dienst. Das Bild wurde gedruckt, und ich erhielt sogar ein nettes Honorar. Später landete ein Baryt-Abzug vom "Bettler auf der Brücke" auch noch in einer Ausstellung und wurde prämiert.

So fing alles an. Und es ging weiter. Ich absolvierte ein Intensivtraining bei einem weltweit erfolgreichen Reportage-Photographen (Pulitzer-Preisträger), und fortan gehörte die Photographie zu meinem Leben und zu meiner Tätigkeit als Journalist (Mitglied im DJV Deutscher Journalistenverband und später in DFJV Deutscher Fachjournalisten Verband).