my trips TO LONDON

Fotoserie "London" von Michael F. Koch am Ende des Report (scroll down)

Tower Bridge (Photo: Michael F. Koch - INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch)
Tower Bridge (Photo: Michael F. Koch - INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch)

Wenn ich über meine Erfahrungen in London berichte, dann immer irgendwie mit gemischten Emotionen. Einerseits - ja, es ist bestimmt eine dieser europäischen Weltstädte, in der man wenigstens einmal gewesen sein "muss".  Zumindest hört man das immer wieder. Ich war mehr als einmal dort (geschäftlich sowie auch rein privat), und während beider Trips hielt sich meine Begeisterung in Grenzen.

Es mag sich wohl so verhalten wie mit jeder Stadt: man muss eine Weile dort leben, um die liebenswerten Seiten zu entdecken. Der Anlass meiner ersten London-Reise war beruflicher Natur: Dreharbeiten für eine BBC-TV-Produktion. Einer unserer Klienten aus dem Profisport, der australische Motocross-Champion Robbie Maddison, hatte uns zur Reportage über seine weltweit übertragenen Stunts hinzugezogen: Maddison sprang mit dem Motocross - Motorrad im Backflip-Salto über die geöffnete Tower Bridge.

Photo: Michael F. Koch (INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch)
Photo: Michael F. Koch (INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch)
Photo / Artwork: INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch - Michael F. Koch
Photo / Artwork: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch - Michael F. Koch

Wir waren für das laut Travel-Guide renommierte Hotel "The Tower" (Guoman Hotels) am St. Katherines Way gebucht. Während meines Aufenthaltes (36 Jahre nach der Eröffnung) wurde der Bau gerade renoviert, und die Arbeiten waren erst halb fertiggestellt. Die Hälfte der Gäste hatte daher das Pech, noch mit den alten Räumen im abgewohnten 70er-Jahre-Flair vorlieb nehmen zu müssen. Umgeben von den vielfältigen, vor allem akustischen Belästigungen, die so ein Umbau mit sich bringt. Zu den Betroffenen gehörte auch ich. Wer nun denkt: bestimmt wurden doch diese Zimmer mit einem ordentlichen Preisnachlass angeboten - Fehlanzeige.

Besagte "Alt-Zimmer" waren in einem traurigen Zustand, etwa auf dem Niveau einer Monteur-Unterkunft. Trotzdem rückte das Hotelmanagement nicht einen Penny ab von dem exorbitant hohen Übernachtungspreis. In den Fluren roch es wie in der Chemikalien - Abteilung eines Baumarktes; der allgegenwärtige Lärm von Schlagschraubern, Presslufthammer, Kreissägen und ähnlichen Montagegerätschaften war nervtötend. Der Blick auf die nur einen Steinwurf entfernte "Tower-Bridge" konnte an meiner Enttäuschung auch nichts ändern. Man wohnt ja nicht auf dem Fenstersims.

Nach massivem Protest, der erst mit der Vorlage meines internationalen Presse - Ausweises zur Kenntnis genommen wurde, siedelte man mich (zähneknirschend) in eines der bereits renovierten Zimmer um. Dort entsprach zwar das Ambiente (gerade so) dem, was ich als "obere Mittelklasse" bezeichnen würde - war aber nach wie vor weit entfernt von dem Level, den die Betreiber in ihren Prospekten vorspiegelten. Der beißend-giftige Geruch von frischem Teppichleim sowie die Ausdünstungen der offenbar mit agressiven Chemikalien behandelten Möbel taten ein Übriges - ich ergriff endgültig die Flucht aus dieser Unterkunft.  Anlässlich einer späteren London-Reportage übernachtete ich im "Radisson Blu Edwardian Vanderbilt" in Kensington (West-London) - das ist ein gutes Hotel auf internationalem Top-Level. Aber wie alles in London auch sehr teuer.

Anlässlich einer späteren London-Reportage übernachtete ich im "Radisson Blu Edwardian Vanderbilt" in Kensington (West-London) - das ist ein gutes Hotel auf internationalem Top-Level. Aber wie alles in London auch sehr teuer. 

Typisch: London ist immer "very busy" (Photo: Michael F. Koch)
Typisch: London ist immer "very busy" (Photo: Michael F. Koch)

Die Stadt selbst ist nicht mein Fall. Ich schaffe es einfach nicht, mich dort wohlzufühlen. Das liegt vor allem daran, dass die City so unglaublich "busy" ist. Niemals scheint in der britischen Metropole auch nur ein Hauch von Ruhe einzukehren. Außerdem präsentierte sich mir das Stadtbild eigentlich nur an Touristen-Hotspots halbwegs von seiner Postkartenseite. Sonst ist London nicht anders als viele Großstädte - schmutzig, hektisch und hoffnungslos überlaufen.

Vom bekannten Reiseführer-Klischee ist die Realität weit entfernt. London ist unglaublich groß. Die Postkarten-Idylle assoziiert, dass alle bekannten Sehenswürdigkeiten zentral beieinander gruppiert sind. In Wahrheit liegen die meisten der Tourismus-Highlights

meilenweit auseinander. Sightseeing als Spaziergang zu Fuß? Vergessen Sie's!

Machen Sie es aber mal wie ich und nutzen dazu eines der Londoner Fahrradrikschas (sogen. Pedicabs). Zwar sind die - weil sie eine Konkurrenz darstellen - bei Taxifahrern nicht immer gut angesehen und werden hier und da schonmal von den "Cabs" behindert. Damit aber gehen die gut geschulten Fahrer mit professioneller Gelassenheit um.

Auch lohnt es sich, vor Antritt der Fahrt zu schauen ob das gewählte Gefährt halbwegs stabil wirkt. Es gibt unter den Betreibern solche und solche ...
Alles in allem habe ich diese Fortbewegungsart schätzen gelernt. Allerdings rate ich dem Fahrgast zur Beachtung gewisser Vorsichtsmaßnahmen:

1. Vorher den Preis festmachen. 2. Sich nicht (vor allem nicht abends oder gar nachts) durch die für Straßenkriminalität bekannten Problemviertel fahren zu lassen.

Der Verkehr in London ist eine Sache für sich: etliche Straßen wurden schon gebaut, als das Auto noch nicht erfunden war. Infolge dessen sind sie schlichtweg zu eng, was ein brutales Gedränge produziert - auch weil die Anzahl von Autos natürlich kontinuierlich größer wird.
Der Citytraffic platzt förmlich aus allen Nähten.

Wer es sich leisten kann (und will) fährt als Tourist oder Geschäftsreisender am besten Taxi.

Die beste- aber auch teuerste Art, in London zurechtzukommen: die Cabs (Photo: Michael F. Koch)
Die beste- aber auch teuerste Art, in London zurechtzukommen: die Cabs (Photo: Michael F. Koch)

Dabei kann sich die Wahl eines sogenannten "Mini-Cabs" als preisgünstige Alternative zu den offiziellen "Black Cabs" erweisen.

Hat man sich erstmal mit dem Dschungel der Taxipreise von London vertraut gemacht, dann ist die Nutzung von Cabs für London-Besucher die beste Variante, sicher und zuverlässig dorthin zu gelangen wo man hin will.

Wie schon gesagt: Mir ist das London von Heute als Stadt nicht sonderlich sympathisch; ist einfach "nicht so mein Ding".

Ich spüre an jeder Ecke, dass man hier über eine riesige Bühne geführt wird. Eine Bühne, auf der Touristen zugleich Darsteller und zahlende Zuschauer sind. Zum Bühnenbild gehört auch eine inszenierte Klischee- Gastronomie, die sich an vorderster Linie des Pauschalprogramms angesiedelt hat.

Typischer Pub in London (Photo: Michael F. Koch)
Typischer Pub in London (Photo: Michael F. Koch)

Ich kenne viele Urlaubsziele, die mich in lukullischer Hinsicht wirklich begeistern. Das touristische London gehört nicht dazu. Hier kommt allzu offensichtlich Billiges auf die Restaurant-Tische und in die Auslagen der Foodshops - für teures Geld. Das wirft leider einen ziemlichen Schatten auf meine Sympathie für diese Stadt. Es gibt allerdings eine Ausnahme, und die heißt "Notting Hill".

In diesem Stadtteil - vor allem in der Gegend um die berühmte "Portobello Road" - bekommt man auch heute noch eine Vorstellung davon, wie das Leben der Londoner Hippies und der Anti-Establishment-Bewegungen in den Sechzigern und Siebzigern ausgesehen haben könnte. Notting Hill ist immer noch ein Viertel, in dem der Individualismus gelebt wird.

 

Freilich ist heute auch hier das Meiste weitgehend dem Tourismus-Geschäft angepasst. Trotzdem habe ich einige echt wirkende Relikte des Siebziger-Jahre-Zeitgeistes gefunden. Allerdings muss man dafür öfter mal von den typischen Besucherpfaden abbiegen - hinein in die Hinterhöfe.

In den Backyards von Notting Hill kann man Interessantes entdecken (Photo: Michael F. Koch)
In den Backyards von Notting Hill kann man Interessantes entdecken (Photo: Michael F. Koch)

 Alles in allem ist dieser Teil Londons von einer sehr erholsamen, weil freundlichen Grundstimmung geprägt. Zumindest wochentags. Am Wochenende aber wuselt ein bunter Strom von Besuchern durch diesen zauberhaften Mikrokosmos und degradiert ihn dann leider doch zur Touristenmeile.

Geschäftiges Treiben: "Portobello Market" (Photo: Michael F. Koch)
Geschäftiges Treiben: "Portobello Market" (Photo: Michael F. Koch)

Und das Nachtleben in der britischen Metropole? London ist doch berühmt als Weltstadt mit großer Tradition etwa in Sachen Rock-Pop- und Jazzmusic ...

Das habe ich ganz anders erlebt. Erstens rufen die klassischen Pubs nach wie vor gegen 23.00 Uhr zur "last order" (letzte Bestellung), obwohl die Regelungen zur Sperrstunde mittlerweile deutlich gelockert wurden. Punkt Halb Zwölf wird dann dicht gemacht. Manchem Touristen, der noch Durst hat, bleibt jetzt nur der Absacker an seiner Hotelbar.

Zweitens kann - oder will? - einem niemand so recht sagen, wo denn das Londoner Szeneleben nun eigentlich stattfindet.

Aber die legendäre Musikszene? Da geht doch was, oder? Na ja:

Ich habe das Pech, kein Fan von "House", "Indie Pop", "R'n'B" oder "Techno" zu sein - davon soll in London tatsächlich einiges geboten werden (wenn man weiß wo).

Ich zähle mittlerweile zum älteren Semester und mag Jazz, Blues oder auch Rock. Gerade für diese Musik galt London ja mal als internationale Hochburg. Davon spürt man heute kaum noch etwas.

Ein einziges Etablissement wurde mir auf gezielte Nachfrage empfohlen, welches meinem musikalischen Beuteschema entsprechen könnte: das "Blues Kitchen". Diese Kreuzung aus gehobenem Restaurant und Musikkneipe lag 5 Meilen von meinem Hotel entfernt. Der Taxifahrer war mit mir eine halbe Ewigkeit unterwegs.  Auch in London sind Touristen für Chauffeure eine Goldgrube ...

Der Laden hatte guten Zulauf - eine mächtige Schlange von Einlassbegehrenden zog sich um den halben Block. Für mich ging es relativ schnell, weil ich über die Hotelrezeption reserviert hatte - und außerdem als VIP galt. Hätte ich warten müssen wie die meisten anderen, dann würde ich wohl den Großteil des Abends auf der Straße verbracht haben.

Nicht nur für Music-Fans: Im "Blues Kitchen" kann man hervorragend essen
Nicht nur für Music-Fans: Im "Blues Kitchen" kann man hervorragend essen

Drinnen gab es Musik, wirklich leckeres Essen und alle möglichen Drinks.Vielmehr ist nicht zu sagen. Die offensichtlich nicht besonders motivierte Band spielte irgendwas, nur keinen Blues. Die Qualität der Musiker? Nun: der Darbietung an diesem Abend hat die Londoner Szene gewiss nicht ihren legendären Ruf zu verdanken.

Das Essen war ausgesprochen gut und auch teuer. Die Drinks waren: nun ja, eben Drinks. Mehr hochpreisig als hochwertig. 

Der Abend endete schließlich mit einer langen Taxifahrt back to the hotel. Sie erraten es - auch die war teuer.

Nun mag einer sagen: so ist es eben. London ist nunmal kein billiges Pflaster, erst recht nicht das dortige "Nachtleben". Aber das weiß man doch.

Mag sein. Leider zeichnet sich die Stadt insgesamt auch tagsüber durch ein in allen Belangen übermäßig hohes Preisniveau aus, welches ich selten durch adäquate Qualität gerechtfertigt fand. Auch nicht durch besten Service. Man spürt einfach hinter vielen Dingen eine Art  Grundeinstellung à la: "... was willst du denn? Du bist hier Tourist ...".

Das ist schade, insbesondere vor dem Hintergrund einer persönlichen Erfahrung, die ich oft gemacht habe: Gerade dort, wo Menschen in schwierigen territorialen- und wirtschaftlich-einfachen Verhältnissen leben, wird Gastfreundschaft und Gastlichkeit groß geschrieben. Man gibt bereitwillig und selbstverständlich das Beste von dem Wenigen, das man hat.

Im reichen Westeuropa sollte das auch möglich sein, vor allem dort wo die Gäste so gnadenlos zur Kasse gebeten werden wie in London.  

 Alle Photos: Michael F. Koch       Bilder anklicken zum Vergrößern

Alle Photos: © Michael F. Koch - INTERNATIONLER PRESSEDIENST Koch