AMG C63 Black Series                                                      Der Wolf im Gepardpelz

Noch im Autohaus - bald in seiner natürlichen Umgebung auf der Rennstrecke: AMG C63 "Black Series"
Noch im Autohaus - bald in seiner natürlichen Umgebung auf der Rennstrecke: AMG C63 "Black Series"

Es gibt Autos, deren Beurteilung überlässt man lieber echten Rennfahrern. Einer dieser Auto-Kandidaten ist zweifellos der AMG C63 "Black Series". Das streng limitierte Sportgerät ist zwar problemlos zulassungsfähig für den öffentlichen Straßenverkehr - gehört aber genau genommen eher auf die Rennstrecke. Dort macht es eine richtig gute Figur.

Vorausgesetzt der richtige Fahrer sitzt am Steuer. Für mich ist dieser Job eine Nummer zu groß. Zwar habe ich schon in vielen charakterstarken Autos gesessen - in meinen privaten Fuhrparks fanden sich diverse PORSCHE, Maserati und Co. - und ich bin gewiss nicht geschwindigkeitsscheu. Jahrelang waren die Rennstrecken Europas mein berufliches Zuhause, ich arbeitete u.a. als Pressereferent und Teamkoordinator  eines Profi-Rennteams.

Dennoch: die praktische Recherche zum folgenden Bericht (das Fahren also) überlasse ich besser einem Profi. Schließlich ist der AMG C63 "Black Series" ein zorniges Biest und frisst zum Frühstück gern Fahrer, die ihre Fähigkeiten überschätzen. Ganz davon abgesehen, dass es echt teuer wird, wenn den Boliden mal eben "wegschmeißt". 

Unser Protagonist fremdelt ein wenig, wenn er ins Licht der Öffentlichkeit soll. Es ist bei ihm reine Bescheidenheit. Er steht nicht besonders auf Blitzlichter oder Reportermikrofone, auch wenn das zu seinem Job gehört. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er während seiner aktiven zeit als Profi davon so manche Überdosis verdauen musste. Massive Journalisten-Belagerung kann durchaus stressig sein, wenn man mit seinem Team gerade versucht, die Strapazen eines knochenharten 24-Stunden-Rennens auf der Nordschleife zu meistern.
Hier war er als Rennfahrer zuhause, räumte mit seinem "BMW M3 GT Air" und seinem PORSCHE GT3 Cupracer ordentlich ab. Er kennt in der "Grünen Hölle" jeden Curb und jede Bodenwelle blind. Der Mann kann wirklich fahren. Aber lassen wir ihm die gewünschte Anonymität. Nennen wir ihn einfach "G".

In "G"s Garage thront - neben weiteren automobilen Besonderheiten - auch "Blacky", ein AMG C63 "Black Series". Als dieser Bolide noch ein Phantom in den medien war stand für "G" bereits fest: Den muss ich haben. Er bekam ihn vor den meisten anderen, die für lange Zeit ein nervöses Dasein auf den Wartelisten fristen mussten.

Am Tag der Anlieferung war ich anwesend. Und muss gestehen: Blacky wirkte irgendwie hässlich. Freilich, er ist auch nicht für die Schönheitswettbewerbe eitler Dandys auf Königsallee oder Kurfürstendamm konzipiert. Er gehört eben dorthin, wo man etwas vom Schnellfahren versteht. Wo man bei einem kleinen Lenkfehler nicht nur Kratzer in den teuren Felgen riskiert, sondern mit der Streckenbegrenzung einer Rennpiste direkte Bekanntschaft schließt.
Ehrfurchteinflößend und gleichzeitig seltsam bescheiden stand sie nun also vor uns: die schärfste C-Klasse.
Zunächst war ich vom Anblick des "Black Series" ein wenig enttäuscht; fühlte mich unterschwellig an die König-Umbauten der 1980er Jahre erinnert. Ästhetik liegt eben im Auge des Betrachters. Und war wohl hier auch kein Hauptpunkt im Lastenheft der Entwickler.

Auf den zweiten Blick offenbarten sich jene Details, auf die der neue Besitzer beim Bestellen Wert gelegt hat: Karbon-Paket, Karbonrückwand zum Kofferraum, Überrollbügel. Die Bremssättel hinter dem Felgenstern signalisieren knallrot ihre Kompetenz. Leitfinnen (sogenannte Flips - die weisen der Luft ihren Weg dorthin, wo sie gebraucht wird) zum Kühlen für die Bremsen, zum Atmen für den Motor sowie für einen weiteren Tick mehr Anpressdruck auf der Vorderachse.

Im Innenraum: Racing meets Luxus
Im Innenraum: Racing meets Luxus

Innen setzt sich der Eindruck von motorsportlichem Zweckdenken fort, etwa was die Rennschalensitze angeht. Die tiefe Sitzposition trägt dazu bei, durch optimale Gewichtverteilung einen möglichst tiefen Schwerpunkt zu realisieren.

Ansonsten gibt's aber eine erstaunliche Menge Komfort: das Soundsystem von Bang & Olufson verspricht guten Klang (ob man davon im Vollgaseinsatz noch was hört bzw. hören will ist eine andere Frage); die elektrischen Fensterheber wirken fast etwas übertrieben angesichts der Karbonrückwand und des Überrollbügels. Und ja: die eben als Rennsport-Attribut erwähnten Schalensitze haben auch eine Luxusseite, sind sie doch aus feinstem Leder und kunstvoll rot umsteppt. 

Als G. in seiner Garageneinfahrt den Motor anlässt kommt schnell Bewegung in die gutbürgerliche Eigenheim-Nachbarschaft. Die Anwohner sind in Hinsicht Motorenlärm zwar einigen Kummer gewöhnt - hier hat so manches Musclecar geröhrt im Laufe der Jahre. Trotzdem bildet sich schnell eine kleine Versammlung.

Und was kann es denn nun - das sportliche Top-Modell der AMG Mercedes C-Klasse? Es kann im Alltagseinsatz vor allem Jeden abschrecken, der auf komfortables Reisen aus ist. Blacky will- nein: er soll auf die Rennstrecke. Das gehört zu seinem Konzept, ist Teil seiner DNA.
Also überstellte ihn sein neuer Besitzer recht bald auf den Nürburgring. Zur Nordschleife. Bereits die Fahrt dorthin brachte Glanz in die Pupillen des stolzen Besitzers: die 517 PS bolzen den "Black Series" in unter 14 Sekunden auf - Achtung, richtig hingucken: 200 km/h.
Pure Freude und Adrenalin schon auf der Autobahn: Selbstverständlich hatte der Besitzer die elektronische Tempobegrenzung von AMG deaktivieren lassen - im Rahmen der Ausstattungswünsche, die vor der Auslieferung geäußert werden konnten.
Da geht was. Erst über 250 km/h macht der Bolide kleinere "Zicken" - der Fahrer bekommt es mit einem nervösen Wackeln zu tun, welches ständig zu erhöhter Aufmerksamkeit zwingt. Die Fahrspuren werden sowieso bei diesem Tempo ziemlich eng.

Erwartungsgemäß stehen einem komfortablen Reisefeeling hier die reinrassigen Rennstrecken-Gene entgegen. Blacky ist nicht zum relaxten Gleiten geboren. Das Fahrwerk (mehrstufig einstellbar) ist ab Werk bretthart und kommt dem eines echten Rennwagens sehr nahe. Auf der Autobahn geht es also erwartungsgemäß ziemlich "hibbelig" zu.

Der Motorsound ist atemberaubend, insbesondere wenn der Kat heiß ist. Die acht Zylinder legen brachial los und randalieren sich lustvoll hoch bis jenseits von 7500 Umdrehungen. Der laut AMG geeichte Tacho zeigt dann 300 km/h an. In diesen Geschwindigkeits-Regionen werden selbst langgezogene Autobahnbögen zu engen Kurven, und das Geräusch des Fahrtwindes beginnt den Motorklang zu verdrängen. Als Fahrer darfst du jetzt keinen Moment abgelenkt sein - im Zeitraum eines Augenzwinkerns bist du knapp einen halben Kilometer weiter. Nur fliegen ist schöner? Quatsch - ist es nicht.

Runter von der Bahn, zunächst vorsichtig durch die wohlbekannten, teilweise recht anspruchsvollen Eifel-Kurven. Bloß nicht den Bock wegschmeißen, bevor er zum ersten Mal auf dem Ring war. Über "vorsichtig" lässt sich allerdings unterschiedlicher Ansicht sein. Ich habe oft Rennfahrer auf dem Beifahrersitz zum Nürburgring begleitet. Die Überholmanöver, meist sogar lässig mit einer Hand geführt, haben mich stets nachhaltig traumatisiert. Und wie oft ist mir dabei die Kamera aus der Hand geflogen.
Auch jetzt geht es zügig um die Ecken. Souverän, aber nicht am Limit - "G" scheint sich im AMG "Black Series" bereits zuhause zu fühlen.

Ankunft am Nürburgring. Heimspiel für unseren anonymen Rennfahrer, der hier jeden Stein kennt. Heimspiel auch für das Auto, denn das Fahrwerk wurde werkseitig für die Ansprüche der Nordschleife justiert.
Nach der ersten Runde mit "Blacky" meckert der Fahrer zunächst ein bisschen vor sich hin - über mangelnde Leistung: "Ich könnte mir gut nochmal 100 PS mehr vorstellen." Aha. 517 Pferde sind ihm also etwas zu müde ...
Bei näherer Betrachtung relativiert sich die leise Kritik dann schnell. Schon in dieser allerersten Runde - ohne besondere Einstellungen vorgenommen zu haben - bekamen einige der schnellen Porsche GT3 die Rücklichter des AMG zu sehen. Das obwohl "Blacky" aus gesundem Sicherheitsdenken heraus fürs erste mit vielleicht 80% seines tatsächlichen Potenzials gefordert wurde. Wer hier in Selbstüberschätzung verfällt, weil er das Auto noch nicht richtig kennt, geht nicht selten zu Fuß nach Hause und lässt seinen fahrbaren Untersatz als Schrotthaufen am Ring zurück.

Es folgen sieben weitere Runden - jede ist knapp 21 Kilometer lang und hat 73 Kurven. Es versteht sich von selbst, dass natürlich alle "Fahrhilfs-Systeme" nach und nach abgeschaltet wurden; bis das ganze schließlich ein Ritt ohne Netz und doppelten Boden war. Ein Fahrer, ein Auto. Das reicht. Wir sind ja nicht im Kindergarten.
Auto und Fahrer bekommen es auf der Nordschleife mit Steigungen von bis zu 18% und einem Gefälle von bis zu 11% zu tun. Macht einen Höhenunterschied von 290 Metern. Nicht zu vergleichen mit einem "gemütlichen" Rundkurs, der mit feinstem Rennasphalt belegt ist. Hier in der "Grünen Hölle" gibt es Löcher, unterschiedlichen Belag und sogar verschiedene Wetterlagen auf ein-und derselben Runde. War es eben noch sonnig, fliegt man vielleicht einen Kilometer weiter in eine Nebelwand. Nichts für Sonntagsfahrer.

Übrigens: normalerweise sind Rennfahrer nie zufrieden, wollen immer noch mehr Leistung. Ich kenne das schon. Als wir dann bei unserem Freund, der Gatrononomie-Legende Josef Moré,  in der legendären "Cocktailbar" des Hotel am Nürburgring den Fahrbericht in Einzelheiten durchgehen, höre ich aber ein Riesenlob aus dem Mund des Nordschleifenkenners "G":

Blacky sei mindestens so gut wie sein VLN-BMW M3. Fahrwerk und Bremsen seien "der Hammer", Grip ohne Ende, Sitze top.
Unser Testpilot, ein gestandener Rennfahrer und Autokenner, bezeichnet den AMG C63 Black Series abschließend als "geiles Männerspielzeug". So viel Spaß habe er lange nicht mehr auf der Nordschleife des Nürburgrings gehabt, sagt er. Mehr Lob geht nicht, denke ich bei mir ...

Schließlich erwähnt er leise und vorsichtig seinen neuesten Traum: einen SLS "Black Series".

Da weiß ich: er arbeitet innerlich bereits an der Realisierung seines Traums, und ich freue mich bereits auf den Tag der Anlieferung.

SLS "Black Series" (Bild: Mercedes Benz/AMG)
SLS "Black Series" (Bild: Mercedes Benz/AMG)