Fachjournalistin Karin Anne Koch:                                              Auto frisst Straße - Opel Adam "S"

Photo: OPEL-Presseservice
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Als unabhängige Fachjournalistin bin ich an Sachlichkeit nicht nur interessiert - mein Berufsethos verpflichtet mich sogar dazu.  Aber was soll ich machen, wenn ich ein Auto im Pressetest habe, bei dem Aussagen wie "Sportlicher Stadtflitzer" und "wie gemacht für kurvige Landstraßen" * erfreulicherweise nicht nur in den Presse-Informationen zu lesen sind, sondern sich auch in der Praxis als ganz wirkliche Wahrheit herausstellen?
Und wenn genau dieses Auto mir seit langer Zeit mal wieder ein breites Adrenalin-Grinsen ins Gesicht zaubert? Wenn also neben der sachlichen Faktenlage plötzlich auch Leidenschaft ins Spiel kommt?
Darf ich dann nicht auch leidenschaftlich berichten? Wer will mir das verbieten?

Auf Rennstrecken, Autobahnen und Landstraßen habe ich in Sachen Speed Performance so einiges erlebt. Vom Fahrersitz aus sah ich mehr als einmal die Tachonadel bei der 300-km/h-Marke. Die Fahrdaten mancher Testfahrzeuge klangen wie der Hieb eines Laserschwertes. Doch so mancher dieser Boliden trieb mir kalten Schweiß auf die Stirn; stellte er sich doch auf der Piste an wie ein wildes Präriepony. 

Fahrspaß ist eben mehr als nur nominelle Motorleistung, kühne Optik und ein Zahlenspiel mit Messdaten. Den Beweis erbrachte mein Testkandidat "Opel Adam S".

Photo: OPEL-Presseservice
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Ich muss ehrlicherweise mit einem Geständnis beginnen: Als ich den Testwagen übernahm, als ich ihm das erste Mal gegenüberstand, da dachte ich einige Augenblicke lang:
Aha - mal wieder so eine aufgebrezelte Möchtegern-Rennsemmel. Dieser Dreikäsehoch auf Rädern ist gerademal 3,70 m lang und 1,48 m hoch. An der hinteren Dachkante klemmt ein leicht protzig anmutender Heckspoiler, bei dem ich mich frage ob er wirklich dort sein muss.
Das knallrote Dach ist zugegebenermaßen zwar ein gelungener Akzent und korrespondiert irgendwie nett mit den roten Bremssätteln. Dieser "Adam" ist ein Schnucki im Rennanzug. Das unterstreichen Frontschürze, Spoilerlippe, Seitenschweller sowie der Buchstabe "S" hinterm Modell-Schriftzug (Sie ahnen es - ebenfalls rot). Zwischen Reifenoberkante und Radhausgrenze ist kaum zwei Finger breit Platz.

Dann fing der Kleine an, seinen Charme spielen zu lassen. Es gelang ihm irgendwie, mich "rumzukriegen". Der Opel Adam "S" liegt recht tief, was ihm optisch erstaunlich gut zu Gesicht steht. Sein rundum sportlicher Look schien mich aufzufordern: Zieh gleich auf die linke Spur, denn da gehöre ich hin!
Aber gut - dies alles kenne ich so oder ähnlich von etlichen Vertretern der Sparte "Sportliche Kleinwagen". Das heißt noch nichts.

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Kein Wunder also, dass mich das ganze äußerliche Theater vorerst ziemlich unbeeindruckt ließ. Die Frage ist doch, ob es beim Fahren was bringt?
Wie gesagt: ich habe im Laufe meines über zwei Jahzehnte langen automobilen Berufslebens schon viele Blender erlebt. Ich bekam es auf öffentlichen Straßen mit Autos zu tun, die auf den ersten Blick aussahen wie Rennwagen, dann aber in Wahrheit keinen Hering vom Teller ziehen konnten.
Andererseits begegneten mir während meiner Zeit im professionellen Motorsport jede Menge hässliche "Krücken", die auf den Ergebnislisten immer ganz oben landeten. Wenn ich nur an den 
"LANCIA Delta HF Integrale 16V" denke ...

Es wäre also schon möglich, dass die Opel-Designer mit dem racingmäßig herausgeputzten "Adam S" einfach einen normalen Kleinwagen in ein Rennkostüm gesteckt haben, um seinen Preis zu pushen. Zumindest zog ich das in Betracht.

Entkräftete Vorurteile
Ich entschuldige mich untertänigst für meine Vorurteile. Es tut mir leid. Denn was der "Adam S" tatsächlich draufhat sollte ich schnell erfahren. Eindringlich. Anfangs bei Erforschung der Fahrzeugdaten ahnte ich davon noch nichts. 150 PS? Na und? So spektakulär ist das nun auch wieder nicht.
220 Newtonmeter Drehmoment. Ja, das ist schonmal nicht schlecht. Andererseits konnte ein dieselmotorisierter VW Golf TDI aus Baujahr 1996 mit seinen 110 PS da sogar noch einen Tick mehr vorweisen (235 Nm).
Gut - solche Aussagen klingen vielleicht etwas nach "Äpfel mit Birnen vergleichen", aber ich will ja nur mal einwerfen was vor zwanzig Jahren schon Realität war.

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Dann sitze ich drin in seinen Sportsitzen (Recaro), starte den Motor, lege den Gang ein, fahre los und bin nach wenigen Minuten bravem Stadtgeschlängels auf freier Strecke.

Kuppeln. Runterschalten. Gas. Abseits aller Theorie aus Zahlen und Leistungsdaten, in der realen Welt von Asphalt und Gummi, widerfährt mir jetzt eine echte Überraschung. In diesem Auto scheinen 150 PS irgendwie doppelt zu zählen. Nüchterne Daten verwandeln sich jetzt in praktische Fahrerlebnisse. Und die sprechen eine deutliche Sprache.

Klein-Adam legt dermaßen los, dass mir ein Grinsen die Mundwinkel bis zu den Ohrläppchen  hochzieht. Der spritzige 1,4-Liter-Turbomotor spielt mit den knapp 1,2 Tonnen Leergewicht (plus leichtgewichtiger Fahrerin und robust gebautem Kameramann) wie ein Tigerjunges mit einem Gummiball.

Selbst auf der Autobahn kann ich weitgehend links mitmischen; auf dem Tacho geht es auch hinter der 200-km/h-Marke noch ein Millimeterchen weiter (mein Satelliten-Navi bestätigte die offiziell angegebenen 210 Stundenkilometer jedenfalls).

Richtig bissig aber gebärdet sich der "ADAM S" auf Landstraßen - je kurviger umso besser. Angst vor Grenzbereichen hat er nicht, der Fahrer muss auch keine haben: eine halbwegs energische Hand kann den quicklebendigen Kugelblitz selbst dann noch gut zügeln, wenn es Richtung Limit geht.
Dann merkt man übrigens, dass die strammen Federn durchaus ihren Sinn haben, denn in Personalunion mit kompetenten Stossdämpfern, Stabilisatoren und Sportbremsen (OPC* lässt grüßen) vermitteln sie einen gehörigen Hauch von Racefeeling. Ohne aber dabei den Alltagsfahrer auf's Glatteis zu führen. Dieser Sport-Opel ist zwar frech, mutig und wenn es sein muss auch zornig - aber er ist nie bösartig oder gar hinterlistig.

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Wer angesichts dieser "Sportberichterstattung" Angst vor mangelndem Komfort bekommt kann ruhig bleiben: Der Opel "ADAM S" ist keinesfalls ein brettharter Bandscheibenkiller. Dies nicht zuletzt auch dank der außerordentlich guten Recaro-Sitze. Bei aller Racing-Kompetenz haben die immer auch das Wohl unserer Wirbelsäule im Hinterkopf.

Ebenso das Fahrwerk: es macht sowohl im Kontakt mit der Straße wie auch hinsichtlich der orthopädischen Ansprüche alles richtig. In diesem Auto dürfen wir beides gleichzeitig - es ordentlich knacken lassen und trotzdem auf der Stirn und unter den Achseln trocken bleiben. Das ist wirklich selten in der Welt der sportlichen Kleinwagen.
Und so drücke ich zum Abschluss bewusst ein Auge zu hinsichtlich journalistischer Sitten. Möge man mich schelten, rügen oder der Voreingenommenheit bezichtigen. Ich kann meine Begeisterung für diesen Opel "Adam S" einfach nicht unterdrücken. Deshalb rufe ich meinen Lesern reinen Gewissens zu:
Wenn ihr wissen wollt wie Fahrspaß geht - kauft dieses Auto! 

Photo: OPEL-Presseservice
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* Zitat aus den Opel-Presseinformationen

Photos: OPEL Pressedienst

* Opel Performance Center GmbH: selbstständige Opel-Tochter, zuständig für alle Motorsport-Aktivitäten von Opel