BMW X6 "M"                                                                                Big MachineWorking

Erstmals kam ich an meine Grenzen. Nicht etwa auf der Rennstrecke, nicht auf der Landstraße, auch nicht auf auf der Autobahn. Nein: es war die Garageneinfahrt, die mir den Schweiß auf die Stirn trieb.

Als ich nämlich den BMW X6M vor den geöffneten Torflügeln platzierte und dann ausstieg, um die Lage zu inspizieren - da sah es aus als wäre der Wagen selbst die Garage. Dieser X6 hat die Dimensionen einer Immobilie.

Knapp Einssiebzig hoch ist der Super-SUV. Mit ausgeklappten Spiegeln 2 Meter breit und beinahe fünf Meter lang. Er wiegt satte 2,3 Tonnen - diese Masse kann sich unmöglich halbwegs flott beschleunigen lassen. Das dachte ich zumindest, als ich zum erstmals vor diesem "Trümmer" von Auto stand und einen Blick in dessen Datenblatt warf. Erst bei einem Topspeed von 250 km/h soll die Elektronik das Tempo abriegeln, heißt es. Soso. 250. Wer's glaubt - bei dem Gewicht.

Bild: BMW AG Presseservice
Bild: BMW AG Presseservice

Nun muss ich den Panzer erstmal in meine Garage bugsieren. Morgen werde ich ihn die 200 Kilometer zum Hockenheimring jagen und dort ein paar flotte Runden drehen. Morgen. Jetzt aber will die Aufgabe mit der Garage gelöst werden. Unmöglich, diese ohne Aussteigen zu bewerkstelligen. Vom Fahrersitz gesehen wirkt das Tor gerademal halb so breit wie das Auto. Meine Einschätzung von außen: theoretisch müsste es gehen. Freilich nicht ohne die Außenspiegel anzuklappen. Viel hilft es nicht -  die Sache gestaltet sich nicht wesentlich einfacher. Schon gar nicht, als ich wieder auf dem Fahrersitz hocke. Ich sehe nichts. Zumindest nichts, was mir weiterhilft.
Irgendwie habe ich diese albtraumartige Situation schließlich doch gemeistert. Der Bolide passt gerade mal so in meine Garage, die auf einmal große Ähnlichkeit mit einem Schuhkarton hat. Als ich das Tor schließe ist gerade noch ein Zentimeter Platz bis zur Stoßstange. Drin! Ob ich ihn je wieder raus bekomme?

Am nächsten Morgen: Ich hab' es hingekriegt! Kein Kratzer am Auto, keine Macke in der Garageneinfahrt.
Allerdings brauche ich ein frisches T-Shirt - das (rückwärts) Rausfahren hat mich ordentlich ins Schwitzen gebracht. Wer jetzt denkt, ich bin vielleicht etwas ungeschickt in solchen Dingen: ich habe jahrelang in einem noblen Autosalon gearbeitet und die dicksten Limousinen in engen Verkaufsräumen herumjongliert.

Jetzt aber: noch schnell volltanken, und dann los. Autsch! Satte 110 Euro zeigt die Säule, als es endlich im Zapfhahn Klack macht. Über achtzig Liter passen rein.

Dann sind wir startklar und sitzen wie die Besatzung eines exklusiven Spaceshuttels im edlen Hightech-Cockpit des X6. Meine Frau, ein zartes Wesen von Einssechzignochwas, sitzt irgendwo gefühlte drei Meter neben mir. Zwischen uns die Mittelkonsole sowie die Armlehne - letztere hat die Ausmaße eines Clubsofas.

Bild: BMW AG Presseservice
Bild: BMW AG Presseservice

Beim Fahren dann kommt es mir vor als wäre die Welt heute irgendwie enger als sonst. Immer habe ich den Eindruck, halb auf der Nachbarspur zu fahren. Ein komisches, anfangs etwas unsicheres Gefühl. Ich will auf die Autobahn. Wir nehmen "unsere" Auffahrt, deren Radius ich perfekt kenne. Hier bin ich mit fetten Limousinen ebenso wie mit ultraflachen Supersportlern eingeflogen - manchmal mit nur einer Hand am Steuer. Heute aber gehe ich es etwas vorsichtiger an; kann mich einfach nicht so recht an die massigen Dimensionen des BMW gewöhnen.

Als ich drin bin in der Kurve zur Auffahrt passiert ... gar nichts böses. Der dicke Bomber rollt wie von einer Seilwinde gezogen derartig souverän um die Ecke, dass ich es kaum glauben will. Von Unsicherheit keine Spur. Gut zu wissen. Freilich merkt man die knapp zweienhalb Tonnen irgendwie, aber das passiert mehr unterschwellig. Es fühlt sich überhaupt nicht riskant an.

Bild BMW AG Presseservice
Bild BMW AG Presseservice

Wir haben Glück - die dreispurige Bahn ist absolut frei. Ich trete durch. Der bis eben noch einigermaßen friedlich grummelnde V8 brüllt plötzlich los, der Biturbo kann frei atmen. Die Tachonadel hechtet förmlich zum Ende der Skala. 575 PS und 750 Nm Drehmoment - ich glaube dem Datenblatt jede einzelne Ziffer!

Der Motorsound verschwindet nun fast, jetzt dominiert das Fahrt- sorry: das Flugwindgeräusch. Auto frisst Straße. Viel zu früh für meine Begriffe riegelt der Motor trotz werkseitigem Dopings namens "M Driver's Package" ab. Zweihundertfünfundsiebzig. Nicht übel für diesen zweienhalb-Tonnen-Panzer!

Hoch über dem Asphalt thronen wir und genießen den Geradeaus-Flug. Die weiten Autobahnbögen freilich werden bei solchem Tempo zu engen Kurven. Trotzdem fühlt sich das Handling nie heikel an - der Bolide gibt sich leichtfüßig und agil, trotz einiger Zuladung: der Kofferraum bietet selbst bei aufrechter Rückbank immerhin 580 Liter Raum an. Unsere gesamte Kamera-Ausrüstung plus Wochenendgepäck für 2 Personen bekommen wir locker verstaut, ohne die Rücksitze umlegen- oder nutzen zu müssen.

Nicht ein einziges Mal komme ich auch nur in Versuchung, mittels Lichtsignal einem der Vorausfahrenden meinen Überholwunsch zu signalisieren. Wer auch immer vor mir auf der linken Spur unterwegs ist begibt sich unverzüglich und respektvoll nach rechts, wenn er im Rückspiegel den klotzigen Bayern heranfegen sieht.

Bild: BMW Presseservice
Bild: BMW Presseservice

Wenn ich verkehrsbedingt doch einmal das Tempo verzögern muss, trübt ein leichtes nervöses Nicken den Fahrgenuss ein wenig. Eigentlich aber nur, weil man angesichts des Innenraumkomforts und der Agilität des Biturbo-Motors immer wieder ausblendet, dass man ja eigentlich in einem hochbeinigen SUV für's Gelände sitzt. Und der hat logischerweise ordentlich viel Bodenfreiheit, was in manchen Situationen nicht recht zu der äußerst dynamischen Performance des BMW X6 passt. Theoretisch jedenfalls - in der Praxis macht das Monster auf der Autobahn eine gute Figur.

Trotzdem: zum optimalen Fahrspaßgefühl fehlt ein Quentchen. Ein paar Restprozente des Fahrerhirns sind immer irgendwie in Alarmbereitschaft, wenn man ordentlich drauftritt. So kommt es, dass ich immer mal etwas wehmütig an das vergleichsweise makellose Handling unseres Porsche "Cayenne" denke - der kann es einfach einen Tick besser, obwohl er auch ein vollwertiger SUV ist.

Ich rufe mir ins Gedächtnis zurück, was ich von den Kollegen des Magazins Auto Motor und Sport gelernt habe: sie verglichen einmal die Sport-SUVs mit Sumoringern und bescheinigten ihnen zwar deren Urkraft, aber eben auch die (relative) Trägheit im Vergleich mit reinrassigen Leichtgewichtsprintern.

Zügig voran geht's allemal im BMW X6. In Rekordzeit erreichen wir unser Ziel und passieren die Schranke zum Fahrerlager am Hockenheimring. Hier wartet unser Rennteam und beschlagnahmt sofort den BMW. Reinsetzen, ein wenig an den unzähligen Bedienelementen herumspielen - dann hält es die Jungs nicht mehr. Sie wollen das Ufo um den Racetrack jagen.

Mit dem bulligen BMW X6 schaffen es alle von ihnen beim ersten Anlauf leicht unter 1.20/min. Für meine
Augen allerdings sieht der Ritt über den Rennasphalt schlicht zu spektakulär aus (und wird von adäquaten Reifengeräuschen begleitet), so dass ich die spontanen Hochgeschwindigkeits-Tests beizeiten abbreche.

Sowieso hätte wenig später der leere Tank dem Treiben ein Ende gesetzt - wir müssen jetzt zum zweiten Mal an diesem Tag voll tanken und stellen endgültig fest: Der BMW X6M hat einen Strudel im Tank; nicht nur- aber erst recht wenn man ihn stramm rannimmt. Klar. Seine Power kann nicht aus der Luft kommen.

Was bleibt als Fazit vom "Erlebnis BMW X6M"? Nun - das ist ganz sicher ein Auto für Viele, die das alles in einem Blechkleid wollen: Bärige Power, brachial-bulligen Look außen und Space-Shuttle-Feeling innen. Es ist aber ganz sicher kein Auto für mich. Das wurde mir spätestens bewusst, als wir in der eigentlich normal dimensionierten Wendeleinfahrt zur Hotelgarage feststeckten. Auch will ich in den Autobahnbaustellen (leider gibt es davon viele) nicht permanent Angst haben, die gelben Blinkdinger umzunieten. Und in den gemütlichen Straßen idyllischer Weinorte der Pfalz hasste uns der Gegenverkehr, weil wir jedesmal auch einen Teil von dessen Fahrbahnbreite brauchten. Und dann das Einparken - ach, geschenkt.

Es stimmt freilich: auf der freien Autobahn ist man mit dem BMW-SUV König - aber eben ein König, der auf seinem Thron unterwegs ist, nicht in der Kutsche. Der X6 ist ein wirklich cooles Auto. Jedenfalls wenn er steht. Fährt man ihn unter halbwegs alltäglichen Bedingungen, dann hat der Spaß jedoch auch mal schnell ein Loch. Autofahren und Spaß sind doch aber Zwillinge. Wer möchte die schon trennen?

Bild: BMW AG Presseservice
Bild: BMW AG Presseservice

Photos: BMW AG Presseservice