dem seit 1957 im Verlag MairDumont erscheinden Hotel- und Restaurantführer

Cars and First Class Food:   DACIA "Duster" meets Restaurant "Forellenfischer"

Auf dem Redaktionsplan für unseren heutigen Restaurant-Testreport: Besuch eines hoch geachteten Speiselokals  im schwäbischen Aachtal - genauer: in Blaubeuren-Weiler. Der "Forellenfischer" ist ein vielgelobtes Haus, im VARTA-Restaurantführer mit zwei Diamanten bedacht. Das mag angesichts der Höchstnote (5 Diamanten) erstmal nicht wie eine Topwertung anmuten - doch immerhin rangiert der "Forellenfischer" auf Augenhöhe mit so renommierten deutschen Restaurants wie etwa das "L'escalier" von Sternekoch Maximilian Lorenz (Köln).

Für uns ist der Besuch Im "Forellenfischer" quasi ein Heimspiel, denn der Einsatzort liegt kaum zwanzig Kilometer von der Redaktion entfernt. Der "Buschfunk" unseres Bekanntenkreises trommelte viel Positives über die schwäbische Traditions-Gaststätte. Der Service sei erstklassig, gleiches gelte für die Qualität der Speisen und Getränke. Das klingt einladend, doch Vorschusslorbeeren beeindrucken uns nicht. Wir trauen nur unserem eigenen Gaumen. Auf zu einem persönlichen Test-Besuch im "Forellenfischer".
Der Plan sieht übrigens vor, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wir nutzen den Hin-und Rückweg als Reportage-Etappe für unser Testfahrzeug DACIA "Duster" - am Ziel angekommen wird dann der eigentliche Restaurant-Test stattfinden.

Der Einsatz beginnt also mit einer dynamischen Tour durch die Kurven der Schwäbischen Alb. Dafür sind wir gut gerüstet, denn unser Testfahrzeug mag solche Ausflüge. Der "Duster" freut sich schon, heute mal wieder raus zu dürfen. Den Stadtverkehr hinter sich lassen und auf Alb-Serpentinen zügig um die Ecken sprinten.

Wie geschaffen: Der "Duster" fühlt sich wohl in der Schwäbischen Alb (Photo: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch)
Wie geschaffen: Der "Duster" fühlt sich wohl in der Schwäbischen Alb (Photo: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch)

Sprinten? Ein hochbeiniger SUV mit ausgeprägten Gelände-Genen kann sowas? Ja, in diesem Falle schon. Seit der 110-PS-Diesel bei uns im Testbetrieb läuft hat er schon öfter gezeigt, was seine Lieblingsrichtung ist: Vorwärts. Zügig vorwärts, wenn man weiß wo das Gaspedal ist. Steigungen und Kurven gehören dabei ganz selbstverständlich zu seinem Leistungsprofil.

Auf unserem heutigen Bergkurs wechseln sich Gefälle und Steigung in schneller Folge ab; dazu locken anspruchsvolle Kehren mit teilweise engem Radius.

Photo: INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch
Photo: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch

Der "Duster" geht diese Aufgabe keineswegs faulpelzig an und mag auf solcher Piste gern ordentlich rangenommen werden. Soll er haben. Ich muss dazu allerdings engagiert im Sechsgang-Getriebe herumrühren, um in jeder Situation den richtigen Gang parat zu haben. Aber geht es bei einem Schaltgetriebe nicht genau darum: mal wieder zu erleben, welche Möglichkeiten Autofahren bietet, wenn man selbst Entscheidungen treffen kann - mit Kuppeln, Zwischengas und sinnvollen Gangwechseln?

Wenn man es versteht, mit sinnvollem Bremsen-Einsatz und beherztem Gegenlenken  zu agieren, dann steht Fahrspaß definitiv auf der Ausstattungsliste des DACIA "Duster". Wer sich andererseits lieber auf die Fähigkeiten des Autos stützen will, dem stehen in der 4x4-Version (die wir gerade testen)  per Knopfdruck diverse Fahrprogramme zur Verfügung. So  hilft zum Beispiel die elektromagnetische Kupplung, bei nachlassender Traktion einen Teil des Drehmoments zur Hinterachse umzuleiten.

Je weiter wir von unserem Startpunkt Ulm aus über Blaustein und Blaubeuren Richtung Weiler unterwegs sind, umso mehr kommt ein gewisses Urlaubsfeeling auf.  Das sorgt dafür, dass wir beinahe vergessen, wie nah wir unserem Redaktionsbüro noch sind.

Keine Angst vor "Abwegen": der Duster traut sich auch ins Gelände (PHOTO: INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch)
Keine Angst vor "Abwegen": der Duster traut sich auch ins Gelände (PHOTO: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch)

Heute bekomme ich es einfach nicht hin, konzentriert unser Reportageziel im Focus zu behalten. Immer mal wieder verlocken mich kleine Seitenwege zu einem Abstecher von der Strecke, und dann lasse ich den Duster ein paar Kilometer bergauf in die Landschaft klettern.
Sehr angenehm fällt auf, dass selbst auf buckliger Offroadpiste im Innenraum nichts klappert oder rumpelt. Das Kunststoff-Interieur steht zwar nicht gerade für Luxus - jedoch die solide Verarbeitung muss man einfach loben.

Kommen wir in schwereres Gelände - was dank 210 Millimeter Bodenfreiheit, Unterfahrschutz und großer Räder durchaus machbar ist - dann schalte ich in den festen Allradmodus (Kraftverteilung Vorder-/Hinterachse 50:50). Der Duster bewegt sich dann zwar nur langsam vorwärts, kommt dafür aber mit Offroadbedingungen ausgesprochen gut zurecht.
Ich konnte auf Reportagetour durch einen Weinberg dem Traktor des Winzers mühelos folgen ... aber das ist eine andere Geschichte.

 Schließlich gelangen wir an unser heutiges Reportageziel: das Restaurant "Forellenfischer". Der VARTA-Restaurantführer, unsere gastronomische Orientierungshilfe bei dieser Reportage, schreibt dazu:
"Seit vielen Jahren ein Dauerbrenner! Ländlich eingerichtetes Restaurant mit gemütlich-rustikaler Atmosphäre und hübsch eingedeckten Tischen. Ehrlich, bodenständig und marktfrisch ist die Küche. Spezialität: fangfrische Forellen aus der Aach."  So weit so gut. Wir sind neugierig.

Photo: INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch
Photo: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch

Gleich beim Eintreten stellen wir fest: das mit der rustikalen Atmosphäre stimmt schonmal. Hier sieht es aus wie in einem typischen Dorfgasthof. Genau sowas habe ich mir unter dem Begriff "gut bürgerlich" immer vorgestellt. Beim gründlicheren Umschauen erweitert sich dann der ländliche Ersteindruck um einen deutlichen Hauch gehobener, internationaler Klasse: auf dem Weg zum Tisch erspähe ich aus dem Augenwinkel eine imposante Galerie edelster Spirituosen und Liköre aus aller Welt. Wenn wir wollten könnten wir uns hier an diversen VSOP-Cognacs gütlich tun - darunter ein Remy Martin aus der Champagne; außerdem erlesener Fruchtgeist aus dem Elsass, hochwertige Grappas, ein Spitzen-Calvados. Und natürlich auch der ein' oder andere Scotch aus der Oberliga schottischer Brennkunst - u.a. ein Auchentoshan aus Old Kilpatrick in West Dunbartonshire.

An diesen Quellen laben wir uns aus gutem Grund nicht, denn wir sind ja motorisiert hier. Was fast ein wenig schade ist angesichts dieser gut sortierten Auswahl hochgeistiger Flüssigkeiten...

Obwohl unangemeldet und erstmals hier werden wir von der Dame des Hauses mit einem freundlichen Handschlag begrüßt. Die Wahl des Tisches überlässt sie uns, und schon sitzen wir in einer gemütlichen Ecke. Einen kleinen Aperitif lasse ich mir von der StVO nicht verleiden - wir werden hier sicher zwei/drei Stündchen zubringen. Zeit genug, damit von dem winzigen Fingerhütchen Alkohol dann keine Gefahr mehr ausgeht. À votre santé,  Kir Royal!

Die Chefin des Hauses taucht auf und kümmert sich persönlich um uns - genauso wie um die anderen Gäste. Sie erweist sich als absolut fit auf allen Gebieten angenehmer Gastlichkeit; ihre unaufdringliche Konversation würde auch einem Nobel-Lokal mitten im Regierungsviertel gut zu Gesicht stehen. Sie findet die perfekte Balance zwischen Charme und professioneller Distanz, ihre ganze Persönlichkeit signalisiert: "Ich bin auf eurer Seite, bin für euch da ..."  

Der kulinarische Part beginnt sogleich. Die üblichen Brothäppchen-Appetizer gibt es hier in individualisierter Form: mit einer hausgemachten Meersalzbutter sowie mit einer rötlichen Kräuterbutter, deren raffiniertes Geheimnis ich nicht vollständig zu entschlüsseln vermag. Nie, so auch heute nicht verzichten wir auf "unsere" obligatorische Schwäbische Flädlesuppe. Hier schmeckt sie so wie sie schmecken soll - es wäre auch wirklich eine Überraschung, wenn ausgerechnet ein schwäbischer Koch nicht wüsste, wie eine Flädlesuppe geht ...

Jetzt haben wir auch Zeit, uns gründlicher im Lokal umzusehen. Die Atmosphäre hier drinnen wird von einem Einrichtungskonzept bestimmt, dessen stilistische Basis von Eiche mitteldunkel und kupfernen Hängelampen über den Tischen dominiert ist. In einem gediegenen schwäbischen Dorfgasthof darf man das auch heutzutage noch bringen - er darf sich ruhig etwas vom Rustikalflair der 1970er Jahre bewahrt haben.

Wir beginnen mit dem Studium der Tageskarte - auch das ist obligatorisch in unseren Testaurant-Tests. Unseren aufmerksamen Blicken entgeht nicht das Menu des Tages. Wären wir nicht mal eben nur für ein leichtes Abendessen hereingehuscht, dann könnten wir uns heute z.B. für diese virtuos komponierte Speisefolge entscheiden:

- Botanist Gin mit Henry Tonic

- Erbsen-Papaya-Salat mit gebratener Jacobsmuschel

- Hegers Grauburgunder

- Tomaten-Essenz mit Basilikum-Quark-Klößchen

 - Rosa gebratenes Rehfilet mit Sellerie-Pürée  und Petersilien-Knöpfle (für Nicht-Schwaben: "Knöpfle" sind eine spezielle Form der schwäbischen "Spätzle" - Eierteigwaren, die zu vielen traditionellen Gerichten als Beilage serviert werden)

- Peperino aus der Toscana

- Mini-Eisbombe mit Erdbeeren (frisch, da Saison)

- Rohmilchkäse Duc de Bourgogne mit Apfel-Zwiebel-Chutney,

- 2013 Maury, Vendange, Domaine Pouderoux

Unser Gastro-Report heute folgt dem Thema "Kleine Happen zwischendurch", weshalb wir uns als Hauptgericht nichts Großes auswählen dürfen. Mich lockt deshalb "Räucherlachs auf Kartoffelpuffer mit Sahnemeerrettich". Ich kann mir vorstellen dass der Leser jetzt denkt:
Ein Lachs ist ein Lachs, Sahnemeerrettich kennt man auch, und Kartoffelpuffer sind eben Kartoffelpuffer? Da kann nicht allzu Besonderes herauskommen ...  Doch! sage ich. Gerade dabei kommt es nicht auf das "Was?" sondern auf das "Wie?" an. Warum schmeckten bei Oma die Kartoffelpuffer viel besser als in der Mensa? Weil Oma eine besondere Beziehung zur Kartoffel hatte, die sie in schweren Zeiten mit bloßen Händen aus der Erde scharren musste - immer in Angst, vom Bauern mit der Flinte verjagt zu werden.
Auch wusste die Großmutter, dass diese kostbare Ackerknolle nicht lieblos in halbheißem Öl ertränkt werden will. Für Oma - die nie ein "kulinarisches Kochbuch" in der Hand gehabt hat (sowas war zu ihrer Zeit noch nicht verbreitet) - war klar, dass eine Kartoffel weit mehr sein kann als eine lieblos gekochte Beilage.

Ein ähnlicher Geist muss hier in der Küche des Restaurants "Forellenfischer" herrschen. Für diese Kartoffelpuffer würde ich - wie früher bei Oma - nachts zum Kühlschrank schleichen und sogar kalt verschmausen, was da vom Mittag übrig ist.
Und der Lachs im "Forellenfischer"? Dem hat man angeschmeckt, dass er irgendwann (vor nicht allzulanger Zeit) aus einem frischen Gewässer gleich nebenan kam, und nicht in einer Vakuumfolie das Licht der Welt erblickt hat.

Meine Frau und hochgeschätzte Kollegin - Fachjournalistin und selbst eine hervorragende Köchin mit solider Ausbildung in der gehobenen schwäbischen Gastronomie/Hotellerie - hatte es auf die "Hausgemachte Pasta mit Auberginen und Tomaten" abgesehen. Italienische Einflüsse in der traditionellen schwäbischen Küche? Wir sind gespannt. Nicht zuletzt weil auch dies eines jener im Grunde einfachen Gerichte ist, bei denen man aber unendlich viel falsch machen kann. Hier war alles genau richtig, und plötzlich schien das süddeutsche Aachtal eine Mahlzeit lang irgendwo in der Toscana zu liegen.
Am Ende waren wir satt, aber nicht voll. Wir waren nicht zufrieden, sondern befriedigt. Wer bei diesem Adjektiv unterschwellig einen erotischen Aspekt assoziiert, der liegt gar nicht so schief. Würde ich das neudeutsche Unwort "Geil" nicht so unelegant finden - ich würde es an dieser Stelle verwenden. Denn genau so war das Dinner.

Wie alles Schöne im Leben ging auch dieser kulinarische Ausflug irgendwann zuende, und wir begaben uns auf den Heimweg. Dem DACIA "Duster" gönnten wir auf der Rückfahrt ein wenig Ruhe. Er schien wie wir die Serpentinen durch die Täler der Schwäbischen Alb zu genießen. 

Photo: INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch
Photo: INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch