When size doesn't matter:                                     Der neue FIAT 500 Cinquecento

Bild: Michael F. Koch / INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch
Bild: Michael F. Koch / INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch

So etwas haben wir in allen unseren Automobil-Reportagen noch nicht erlebt: Der aktuelle Testkandidat ist kaum größer als eine Hutschachtel, eng wie eine Sardinendose und bringt gerademal 69 PS (51 KW) auf die Antriebsräder.
Seine Armaturen weigern sich konsequent, dem Prädikat "intuitiv ablesbar" auch nur halbwegs zu entsprechen. Sein Kofferraum ist ein Witz. Seine Bedienelemente scheinen direkt mit der sprichwörtlichen "Nadel im Heuhaufen" verwandt zu sein. Aber trotzdem ist der Schlüssel immer weg.

Im Testalltag kamen uns durchaus schon Autos mit dem siebenfachen Leistungspotenzial unter den Gasfuß - dreihundert Sachen haben wir mehr als einmal auf dem Tacho gesehen.

Dagegen weckt unser aktuelles Testfahrzeug mit seinen 160 km/h Spitze eher Erinnerungen an die Fahrleistungen mancher Studentenkutschen der 80er Jahre. Auch beim Beschleunigen lässt es der kleine Italiener (der heute, wenn man es genau nimmt, eigentlich ein kleiner Pole ist*) vergleichweise gemütlich angehen - 12,9 Sekunden braucht er laut Werksangaben von Null bis Hundert. Wir haben nicht nachgestoppt, aber irgendwie fühlt es sich genauso an.
Wem das nicht zusagt, der kann es mit der Variante "ABARTH 595 Competizione" versuchen. Mir waren dessen 180 PS (132 KW) ein bisschen zu nervenaufreibend.  Und zwar v
or allem im Stadtverkehr - immer hat man da jemanden vor sich, den man unbedingt mal eben noch überholen muss. Weil man es halt kann ...

Nein - unser Testkandidat ist da von braverem Gemüt. Trotzdem avancierte er von Anfang an zum Redaktions-liebling. "Er ist so süüüüß!" sagen die Damen in unserer Truppe. "Er ist so cooool" sage ich. Nicht zuletzt weil ich seit Beginn der Testfahrten mit diesem Auto noch nicht ein einziges Mal geblitzt wurde. Das ist meine persönliche Bestleistung. Jetzt ist er also bei uns angekommen - der ersehnte Testzwerg mit der italienischen DNA. Knallrot (oder offiziell: Passione Rot) steht er vor uns - so muss es sein, wenn Sie mich fragen.

Meine Kollegin sagt er hätte ihr in "Lattementa Grün" auch gefallen. Das stimmt, Pastelltöne stehen ihm auch gut.

Photo: Michael F. Koch / INTERNATIONALER  PRESSEDIENST  Koch
Photo: Michael F. Koch / INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch
Pfiffiges Auto - Pfiffige Farben: "Lattementa Grün" (Bild: FIAT Presseservice)
Pfiffiges Auto - Pfiffige Farben: "Lattementa Grün" (Bild: FIAT Presseservice)

Für die kommenden Wochen haben wir uns etwas Verrücktes vorgenommen - wir wollen möglichst viele unserer redaktionellen Aufgaben im FIAT 500 erledigen. Es geht uns darum, herauszufinden ob er als Journalisten-Auto geeignet ist. Wird es uns wohl gelingen, das oft umfangreiche Equipment in dem spartanisch anmutenden Kofferraum unterzubringen?
Wird man uns an den Einsatz-Locations akzeptieren, wenn mir mit dem süßen roten "Zwerg" vorfahren? Und wird er es schaffen, uns zügig zu eiligen Terminen zu chauffieren?
Wir gehen das Projekt mit einer gehörigen Portion Skepsis an. Vor einem Punkt allerdings sind wir nich bange: Für genügend Sympathie wird der pfiffige 500er sorgen - und auch das ist schließlich wichtig in unserem Job.

Eindeutig ein Sympathieträger: unser Testfahrzeug - Hintergrund: Brillux Ulm (Bild anklicken) Photo: Michael F. Koch
Eindeutig ein Sympathieträger: unser Testfahrzeug - Hintergrund: Brillux Ulm (Bild anklicken) Photo: Michael F. Koch

Im Laufe der Jahre musste er sich ja an eine Menge von Spitznamen gewöhnen, die meistens mit seinen niedlichen Abmessungen zu tun hatten:
Elefantenrollschuh, Rennsemmel, Asphaltblase, Knutsch-kugel. Selbstverständlich war keine dieser Bezeichnungen jemals böse gemeint. Denn alle - wirklich alle liebten ihn. So manchem Besitzer schlüpfte wohl der eine oder andere Fluch von den Lippen, wenn er sich mal wieder schmerzhaft das Knie gestoßen hatte - geräumig ging es früher ja nicht gerade zu im Inneren des niedlichen Italieners. Das ist heute besser geworden. Es hat innen durchaus Platz, was uns sehr freut. 

Aber ... ja, um dieses "Aber" kommen wir leider nicht drumherum: Übersichtlichkeit im Cockpit stand wohl nicht ganz oben auf den Prioritätslisten der Entwickler. Man wird leider einfach das Gefühl nicht los, hier hat auf irgendeinem Planeten in der entferntesten Ecke des Universums das Design-Department den Auftrag bekommen, ein Auto für die Erde zu entwicklen, ohne jemals hier gewesen zu sein. Für mich jedenfalls hatte anfangs das (in der Mitte hinter dem Lenkrad plazierte) Rundinstrument etwas von einer Display-Enigma. In dessen zwei zu eng zusammenliegenden Kreisen soll der Fahrer hier u.a. Informationen zu Geschwindigkeit und Drehzahl bekommen.

Ein wenig verwirrend: die Instrumenten-Anordnung hat etwas leicht Enigmatisches (Photo: INTERNAT. PRESSEDIENST Koch)
Ein wenig verwirrend: die Instrumenten-Anordnung hat etwas leicht Enigmatisches (Photo: INTERNAT. PRESSEDIENST Koch)

Aber Obacht! Für beide Parameter wurden nämlich absolut gleichfarbige (klar: rote) Zeiger verwendet. Die sich zwar minimal in ihrer Form und Dicke unterscheiden, aber im Eifer des Fahrgefechts und bei flüchtigem Hinsehen Verwirrung stiften können.
Unser Photo (anklicken zum Vergrößern) oben zeigt den Tacho beim stehendem Fahrzeug, aber den Motor halten wir per Gaspedal auf zweieinhalbtausend Umdrehungen. Wer den Drehzahlmesser-Zeiger mit der Tachonadel verwechselt könnte also meinen, es würde knapp über 60 km/h angezeigt. Mein Photobeispiel hinkt ein wenig, denn in diesem Falle wüßte man ja dass der Wagen steht. Aber es verdeutlicht die Problematik der Verwechslungsgefahr. 

Bevor es Ihnen wie mir auf meiner ersten Fahrt im FIAT 500 geht und Sie verzweifelt nach den Schaltern zum Öffnen der Seitenfenster suchen müssen: die verstecken sich links und rechts neben dem Gangschalthebel.
Es sind da eben ein paar Kleinigkeiten, die man dem Kultauto einfach verzeihen muss wie einer kapriziösen Geliebten. Was leichtfällt angesichts der Freude darüber, dass es ihn wieder gibt. Besser: immer noch, denn in unseren Herzen war er ja nie wirklich weg.

Jetzt feiert er einen runden Geburtstag - der legendäre FIAT 500 wird Sechzig. Doch von Rentner-Ambitionen keine Spur. Der aktuelle "Cinquecento" präsentiert sich pfiffiger denn je. Mit coolem Chic wie ein Fashion-Model aus Milano. Dabei überhaupt nicht oberflächlich. Ihn zu fahren hat nichts mit Männlein oder Weiblein zu tun. Zielgruppe Unisex.
Meinen männlichen Geschlechtsgenossen will ich ganz deutlich sagen: Traut euch! Der kleine Italiener ist keineswegs ein "Mädchenauto". Wenn man will sorgt er für spritzigen Spaß - für Action wie auf der Kartbahn. Selbst in der hier getesteten neunundsechzig-PS-Version. 

Unser Testfahrzeug kommt übrigens in der Version "Mirror", dazu mit aufpreispflichtigen 15"/18-Speichen-Leichtmetallfelgen (600,-), Nebelscheinwerfern (190,-), höhenverstellb. Fahrersitz (140,-), Parksensoren für hinten (350,-) sowie chic in Uni-Sonderlackierung "Passione Rot" (350,-). Das alles macht aus dem Basispreis von 13.990,- eine Endsumme von 15.620,- Euro.
Preislich bewegt sich unser "FIAT 500" also ungefähr in der Sphäre eines Basis-VW Polo (ab 12.750,-), und einen Opel "Adam" etwa gäbe es sogar noch einen schlappen Tausender günstiger (ab 11.950,-).
Aber was sollen solche Vergleiche? Es geht um Emozione, um Amore, um Passione und um Dolce Vita. Wer schaut da schon auf die Rechnung?

Schon immer mit dem FIAT 500 verbunden: Emozione, Amore, Passione und Dolce Vita:
Schon immer mit dem FIAT 500 verbunden: Emozione, Amore, Passione und Dolce Vita:

Nun also wird uns der kleine Italiener bei unserer Reporter-Arbeit begleiten. Wir sind gespannt wie er sich dabei schlägt. Wir werden ausführlich berichten ...

 


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Der FIAT 500 wird seit 2007 in der polnischen Stadt Tuchy produziert

Weiter mit Teil 2 der FIAT 500-Testreportage ...