Der SKODA Rapid "Spaceback" im Reportage-Einsatz

Photo: SKODA Presseservice
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Dieser Testbericht entstand unter ungewöhnlichen Bedingungen. Das Testfahrzeug wurde uns diesmal nämlich nicht vom Hersteller zur Verfügung gestellt - nein: es ist das Privatauto meiner Tochter. Sie hat es ganz normal gekauft.
Als sie am Tag der Zulassung happy damit nachhause kam sorgte ich gleich mal für ein paar Trübstoffe in ihrer Besitzerfreude: "Über den SKODA Rapid wollte ich sowieso mal einen Testbericht schreiben. Darf ich mir dein Auto für ein paar Tage leihen?" 

Bewölkte Stirn. Zusammen gezogene Augenbrauen. Begeisterung sieht anders aus. Sanft aber wirkungsvoll musste ich ein wenig Druck aufbauen: "Hast du vergessen wie oft du mit unseren Autos fahren durftest? Damals, nach der Führerscheinprüfung? Sogar mit dem Porsche  ...
Zugkräftige Argumente wie dieses führten schließlich zu ihrer Einwilligung. War da ein leises Zähneknirchen? Wie auch immer - so kam es also, dass ich sogar noch vor der stolzen Besitzerin mit dem neuen SKODA Rapid "Spaceback" auf eine längere Tour gehen konnte:
Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahnen. Das komplette Programm.

Photo: SKODA Presseservice
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Bewölkte Stirn. Zusammen gezogene Augenbrauen. Begeisterung sieht anders aus. Sanft aber wirkungsvoll musste ich ein wenig Druck aufbauen:
"Hast du vergessen wie oft du mit unseren Autos fahren durftest? Damals, nach der Führerscheinprüfung? Sogar mit dem Porsche  ...

Zugkräftige Argumente wie dieses führten schließlich zu ihrer Einwilligung. War da ein leises Zähneknirchen?
So kam es also, dass ich sogar noch vor der stolzen Besitzerin mit dem neuen SKODA Rapid "Spaceback" auf eine längere Tour gehen konnte:
Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahnen. Das komplette Programm.

Als sogenannte "Tageszulassung" war das Auto bereits eingefahren - ich durfte es also von Anfang an zügig rollen lassen. Was zu meinem Erstaunen sogar machbar war. Ehrlich gesagt hatte ich von den 125 PS (92 kW) des 1,4er TSI Turbo-Benziners keine Leistungswunder erwartet. Quelle meiner Zweifel: der relativ geringe Hubraum.

Was sich schnell als Vorurteil erweisen sollte. Diese Motorisierung muss sich keinesfalls verstecken, weder beim Ampelstart noch im Überholmodus. Der Rapid fräst beim Anfahren zwar keine Furchen in den Asphalt, doch er kommt zügig vom Fleck. Auf Autobahnen dominiert er nicht unbedingt die linke Spur, aber er kann dort ganz gut mitmischen.

Keine Rede von zu wenig Leistung. Klar, es könnte immer etwas mehr sein, aber gilt das nicht irgendwie für alle Serienautos?

Alles in allem realisiert diese Motorisierung durchaus eine akzeptable Performance. Angenehm spritzig und vor allem durchzugfreudig. Die 200 Nm maximales Drehmoment kommen zwischen 1.400 und 4.000 Umdrehungen zum Zuge - da werden auch Zwischenspurts zum Spaßfaktor.

Photo: SKODA Presseservice
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Folgsam und agil führt der SKODA die Aufträge meines Gasfußes aus. Die Hunderter Marke kann ich in knapp 9 Sekunden schaffen; ein Strichlein über 200 km/h ist auf der Autobahn Realität. Mehr erwarte- und mehr verlange ich nicht von 1395 Kubik.

 Das Doppelkupplungsgetriebe realisiert butterweiche Gangwechsel, die selbst bei kernigen Zwischenprints nicht ruppig ausfallen. Lediglich das Anfahren kriegt dieses 7-Gang-DSG nicht immer ohne Ruckeln hin, sondern zeigt sich zuweilen etwas dickköpfig. Na ja - und bei Vollgas hangelt sich der Motor nicht gerade leise zum nächsten Gang.

Das Fahrwerk des flinken Fronttrieblers kommt mit jeder Situation vernünftig zurecht und ist auch bei zügiger Kurvenfahrt eine verlässliche Größe. Enge Kurven (auch bei schnellen Rechts-Links-Kombinationen) bringen die Karosserie kaum ins Schwanken, im Gegenteil: sie machen Spaß. Auch dank der perfekt-direkt ausgelegten Lenkung, die jede Menge Dynamik nicht nur zulässt, sondern sogar gut findet.

Photo: SKODA Presseservice
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Man muss schon viel falsch machen, um ans Limit zu geraten, und selbst wenn sich das einmal andeuten sollte übernehmen die Assistenzsysteme sanft die Korrektur.

Davon gibt es reichlich, teils mit und teils ohne Aufpreis: Serienmäßig wirkt in jedem Rapid-Modell die "Multikollisions-Bremse" - sie vermindert im Falle eines Unfalls das Risiko von Mehrfach-Kollisionen.

Wer will kann aus Features wie Müdigkeitserkennung, City-Notbremsfunktion/Frontradar-Assistent, Climatronic mit Feuchtigkeitssensor, Parksensoren vorn oder automatischer Innenspiegel-Ablendung seine Auswahl treffen.

In Sachen Entertainment erlauben diverse Musiksysteme (unter anderem mit Surround-Sound u. Apple-kompatiblem USB-Anschluss) die umfangreiche Nutzung von Tonquellen wie Smartphone oder Android Auto.

Für allzeit entspanntes Rollen sorgt das schon erwähnte serienmäßige Siebengang-Doppelkupplungs-Getriebe. Es erweist sich als perfekter Allrounder und beherrscht alle Fahrsituationen souverän: man kann relaxed im Drehmomentfluss mitschwimmen oder per Gaskick den Turbo animieren - dann kürzt man zwei Gänge weg und bekommt engen Kontakt mit der Sitzlehne.

Auch beim Kontrapunkt der Fortbewegung, dem Anhalten also, geht es innovativ zu: alle Motorisierungen sind mit Start-Stopp-Automatik und der verbrauchssparenden Greentec-Bremsenenergie-Rückgewinnung ausgerüstet.

Morgen steht eine Photo-Reportage in meinem Terminplan.

Spontan beschließe ich, dazu mit dem SKODA "Rapid" anzureisen - eine willkommene Gelegenheit, dessen Qualitäten als Lastesel zu testen. Jede Menge Equipment muss also an Bord verstaut werden. Das erweist sich als absolut unproblematisch, denn mit umgelegter Rückbank erschließen sich mir enorme Ladekapazitäten:

Kameras, Lichtsysteme, Reflektoren, Stative, ja selbst sperrige Softboxen bringe ich unter, ohne dass ich mit den Frontsitzen auch nur einen Millimeter nach vorn ausweichen müsste.

Beim Einladen sperriger Teile erweist sich als Vorteil, dass man die hinteren Türen nahezu rechtwinklich öffnen kann. Gut mitgedacht!

Photo: Michael F. Koch (Redaktion Test-Reporter)
Photo: Michael F. Koch (Redaktion Test-Reporter)

Smarte Raumlösungen sind sowieso ein Markenzeichen des Herstellers SKODA - davon konnten wir uns bereits im Testbericht zum "Octavia" überzeugen, der u.a. mit clever geplanten zusätzlichen Staufächern punktet. Von den Konkurrenten anderer Marken (und auch im Mutterhaus VW) wird das nicht immer so konsequent umgesetzt.
Nun erweist sich also auch der "Rapid" als Meister der sinnvollen Ablagemöglichkeiten. Hier wurde offenbar an Familien mit Kindern gedacht - Eltern kennen das: Spielfigürchen, Haarspängchen oder Überraschungseier müssen schließlich immer mit auf Reisen.

Zum Berufsbild des Journalisten (ich weiß wovon ich rede) gehört auf Reisen die sinnvolle Unterbringung von Utensilien wie Diktiergerät, Terminplaner, Stoppuhren, Speicherkarten, Schreibgeräten, Adaptern, Ersatzakkus, USB-Sticks und dergleichen mehr.

Photo: Michael F. Koch (Redaktion Test-Reporter)
Photo: Michael F. Koch (Redaktion Test-Reporter)

Sowohl griffbereit als auch halbwegs übersichtlich muss alles verstaut werden. Und zwar ohne dass es während der Fahrt nervig rutscht und klappert.
Im SKODA ist das ein völlig normaler Bestandteil der Design-Philosphie. Endresultat: stressfreies Fahren. Immerhin ergibt sich aus stressfrei meist unfallfrei.

Vor dem praktischen Teil meiner Test-Episode - also vor dem Fahren - philosophiere ich mit mir selbst noch kurz zum Thema "Auto und Image":
Sowohl beruflich als auch privat war ich oft in Autos unterwegs, die man der Kategorie Oberklasse oder gar dem Luxus-Segment zuordnet. Oft hatte ich auf der Piste mehr PS unter der Haube als ein Pilot im Motor seines Sportflugzeuges.
Auf der Tachoskala von so manchem meiner fahrbaren Untersätze war bei 300 km/h noch nicht das letzte Wort gesprochen ... Ich war ein typischer "Petrolhead". Zwei Jahrzehnte im professionellen Motorsport-Umfeld hatten mich geprägt. Charakterstarke und vor allem schnelle Autos gehörten dort zum "Guten Ton". Auch im privaten Fuhrpark. Und wie das so ist: wenn man solche Autos hat dann reizt man sie auch aus. Und bekommt die Quittung dafür. Lichtbild inklusive ...

Wenn ich heutzutage (natürlich längst aus Erfahrung klüger geworden) das volle Potenzial automobiler Fortbewegung austeste, dann nur auf der Rennstrecke. Punkt.

A propos Punkt: in Flensburgs Archiven spielt meine Person keine negative Rolle. Meinen einstigen Hang, auch auf öffentlichen Straßen maximal-zügig voran zu kommen, habe ich längst im Papierkorb der jugendlichen Vergangenheit entsorgt. Ich besitze seit 30 Jahren den Führerschein und war (außer auf der Rennpiste) noch nie in einen Unfall verwickelt.

Und was den angesprochenen Faktor "Image" angeht, so sollten wir doch heutzutage alle eine ziemliche Ecke vorangekommen sein, oder?

Vorbei sind zum Glück die Zeiten, als etwa selbständige Handwerksmeister oder höhere Außendienstler zwingend im "Daimler" bei der Kundschaft vorfahren mussten, um einen Auftrag zu bekommen. Und Lifestyle-Journalisten sich wie Playboys kleiden und motorisieren mussten, um bei den "Reichen und Schönen" zum Interviewtermin vorgelassen zu werden.

Heute werden z.B. die Stars des "ECHO Pop"-Events in SKODA-Limousinen zur Location
geshuttelt (Messe Berlin) . Darunter Prominente wie Rag'n'Bone Man, Udo Lindenberg, Xavier Naidoo, Beth Ditto, Iman ...

SKODA als VIP-Shuttle beim "ECHO 2017" (Photo: SKODA Presseservice)
SKODA als VIP-Shuttle beim "ECHO 2017" (Photo: SKODA Presseservice)

Auch die Nominierten, die Preisträger und die Gäste des "ECHO Klassik" ließen sich gern im SKODA zur neuen Elbphilharmonie Hamburg chauffieren (u.a. Joyce Didonato, Gábor Boldoczki, Ken Nagano, Mathias Goerne ...)
Die einstige Low-Budget-Marke "SKODA" ist längst aus dem Schatten der Konzernmutter VW getreten und geht selbstbewusst und erfolgreich eigene Wege. So sieht die Zeitschrift "WirtschaftsWoche" in ihrer Umfrage nach den "Beliebtesten Automarken der Deutschen" SKODA als "beste reine Importmarke" (186.172 Neuzulassungen in 2016 ).
In unserem Nachbarland Schweiz konnte sich der SKODA "Octavia" im ersten Halbjahr 2016 zum populärsten Automodell mausern (Quelle: Zeitung "Horizont"- dfv Deutscher Fachverlag GmbH).

Nun bin ich also mal wieder beruflich in einem SKODA unterwegs - diesmal im "Rapid". Destination Prag. Für das Auto in gewissem Sinne ein territoriales "Back to the roots", denn Luftlinie 50 Kilometer von der tschechischen Hauptstadt entfernt in Mladá Boleslav (Stammsitz der Konzernzentrale) stand sozusagen seine Wiege.

Alles ist verstaut, und das Navi kündigt mir knapp 480 Kilometer Reiseweg an.

Ich habe Glück und komme weitgehend gut voran - diese Strecke kann schonmal staulastig sein; sowohl die A7 als auch die A6 überraschen immer wieder gern mit Baustellen. Solche Stop&Go-Abschnitte können einem den Langstrecken-Schnitt ziemlich drücken.

Nicht heute. Alles läuft glatt, und wo es erlaubt ist gebe ich dem SKODA die Sporen.

Kilometer fressen -  freilich kann der Motor angesichts dieser Vorgabe den vom Hersteller angegebenen Verbrauch von 4,8 L/100 Kilometer nicht wirklich realisieren. Knapp sieben Liter (exakt: 6,6) genehmigt er sich im Jagdmodus.

Innerlich beglückwünsche ich mich zu meinem Entschluss, diesen Langstrecken-Einsatz mit dem Testbericht zum SKODA Rapid "Spaceback" zu verbinden. Vieles kommt erst zum Vorschein, wenn man über eine große Distanz unterwegs ist. Es können Kleinigkeiten sein, aber irgendwann bemerkt man sie. Zum Beispiel diese:

In Gedanken habe ich mein Diktiergerät, das ich auf meinen Testfahrten gern als elektronisches Notizbuch nutze*, beim einräumen in der Ablage der Beifahrertür vergessen. Mühelos kann ich es nun vom Fahrersitz aus erreichen, denn der SKODA ist innen vergleichsweise schmal angelegt (sieben Zentimeter schmaler als ein VW Golf). Trotzdem fühlt sich der Innenraum keinesfalls eng an. Entspanntes Sitzen ist vorn absolut machbar. 

*Laut Hersteller ist die Nutzung von Diktiergeräten während der Fahrt erlaubt

Photo: SKODA Presseservice
Photo: SKODA Presseservice

Und wenn wir schon beim Thema Platz sind: hinten geht es sogar wesentlich luftiger zu als etwa im Golf. Fast - ja wirklich! - so geräumig wie im Passat. Was schon eine ordentliche Hausnummer ist.

Photo: SKODA Presseservice
Photo: SKODA Presseservice

Golf, Golf, Golf. An sich wollte ich es ja vermeiden, den SKODA Rapid mit diesem Kompakt-Star von VW zu vergleichen. Weil das alle machen. Wie langweilig (so dachte ich).

Andererseits: Man kommt einfach nicht daran vorbei, denn ganz offensichtlich greift der selbstbewusste Tscheche seinen Organspender aus Wolfsburg gezielt an. Und zwar an vielen Fronten. Überraschenderweise sind seine Waffen dabei gar nicht mal nur Preissache - so gewaltig ist der Unterschied da nicht. Ein SKODA ist längst kein Billigheimer mehr.

Obwohl: für weniger als ein VW Polo kostet bekommt man ein Auto, das mit den Dimensionen eines Audi A3 mithalten kann bzw. diese sogar übertrifft. So ganz lässt sich also das Argument Preis nicht von der Hand weisen.

Dennoch - besagter Angriff auf das Mutterschiff VW verläuft wesentlich innovativer als nur auf der Preisschiene. Der SKODA Rapid "Spaceback" tritt selbstbewusst auf, traut sich einfach etwas; und dieser Mut macht ihn attraktiv. So schert er sich nicht um automobile Konventionen. Er ist kein Kombi und auch kein gewöhnliches Schrägheckmodell. Kein Blender, aber auch kein Langweiler.

Er bietet im Grunde nichts weniger, als ein Volkswagen bietet. Dafür hat er, wofür ein Volkswagen bei allem verdienten Respekt eben doch nicht steht: den "Ich-bin-anders-Effekt". Manche sagen sogar, er wäre der coolere Golf.

Ich erreiche das Ziel meiner Langstrecken-Etappe nach etwas über 7 Stunden. 510 Kilometer liegen hinter mir, ein paar mehr als die nominelle Distanz, weil ich mich kurz hinter der Grenze einmal böse verfahren hatte.

Ein halbes Stündchen Kaffeepause habe ich mir gegönnt und mir ausgiebig die Füße vertreten.

In der "Goldenen Stadt" Prag komme ich relaxed und putzmunter an. Meiner Wirbelsäule geht es gut, was ich nicht zuletzt den rückenfreundlichen Sitzen des SKODA Rapid verdanke.

Auf einer der Höhen im Westen der Stadt verweile ich ein Viertelstündchen, und mein Blick schweift über Hunderte von glänzenden Dächern und die zahlreichen kupfergrünen Türme.

Neben mir kühlen leise knackend Motor und Bremsen ab. Es war eine gute Fahrt - in einem guten Auto.

Blick über die "Goldene Stadt" Prag (Photo: Michael F. Koch)
Blick über die "Goldene Stadt" Prag (Photo: Michael F. Koch)