Silent Action: Formel-E-Champion Lucas di Grassi im Interview

Mobilitäts-Alternativen zum Verbrennungsmotor sind mittlerweile auch im professio-nellen Motorsport gefragt und angesagt. Die Zukunft heißt Elektromobilität. Was sind die Ansichten der Fahrer? Unser Interview mit Formel-E-Rennfahrer Lucas di Grassi vom Team AUDI Sport ABT Schaeffler gibt Aufschluss.

INTERNATIONALER PRESSEDIENST Koch - Redaktion PRESSEtest:

Beim Elektro-Motorsport haben wir es mit einer zeitgemäßen Umsetzung der Thematik Rennsport zu tun - Faktoren wie Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit sowie bewusster Umgang mit Materiel und Energie spielen eine vordergründige Rolle. Welche neuen Inspirationen bietet für Sie als Rennfahrer die Formel E?

Lucas di Grassi:

Ich war als einer der ersten Fahrer und Personen überhaupt in die Formel E involviert. Lange vor dem ersten Rennen habe ich geholfen diese Serie zu entwickeln. Zu sehen wo die Serie jetzt - nach nur fünf Jahren - steht macht mich stolz. Für mich ist es daher weit mehr als nur die Sicht als Rennfahrer. Alles in allem ist die Formel E heute die zweitwichtigste Rennserie neben der Formel 1.

Redaktion PRESSEtest:

Das Konzept Formel E geht im wahrsten Sinne auf die Zuschauer zu:
Die Rennkurse können sich mitten in den Zentren von Städten und Metropolen befinden, was mit Verbrennungsmotoren nicht machbar wäre - etwa in Hinblick auf Lärm- bzw. Abgas-Emissionen. Ist diese Form von Zuschauerfreundlichkeit geeignet, neue Zielgruppen für den professionellen Motorsport zu generieren?

Lucas di Grassi:

Ja, wobei die Rennen in den Städten nur einer von diversen Faktoren ist. Es ist das gesamte Konzept der Formel E mit tollen Events, einem kompakten Format, direkt vor der Haustür, mit unglaublich spannendem Sport und gleichzeitig mit technologi- scher Relevanz für die Zukunft unserer Mobilität.

Redaktion PRESSEtest:

Bleiben wir kurz beim Thema Zielgruppe:
Die Target Audience der Formel E ist jung, dynamisch und offen für Trendthemen wie Digitalisierung und moderne Kommunikationsformen. Ist dieses Publikumsum- feld besonders gut geeignet, um zu ergründen welche Technologien rund um das Thema Automobil und Mobilität zukünftig eine Rolle spielen werden?

Lucas di Grassi:

Eine große Herausforderung für die Elektromobilität ist die Akzeptanz der Kunden. Die ist extrem wichtig und lässt sich nur langfristig gewinnen. Die Formel E ist dafür ein perfektes Format, denn sie geht direkt vor die Haustür dieser jungen Zielgruppe und zeigt, dass Elektromobilität super emotional ist und die Autos schnell, aufre- gend und sexy sein können.

Redaktion PRESSEtest:

Nun hat der klassische Motorsport über Jahrzehnte eine Faszination aufgebaut, die sehr stark mit dem Attribut "brachialer Motorensound" verknüpft war. Dieser Aspekt fehlt in der Formel E komplett. Wie kann es dennoch gelingen, die Faszination Motorsport aufrecht zu erhalten? Oder mit der Stimme von Skeptikern gefragt: Kann sich Ihrer Ansicht nach ein "leiser Motorsport" durchsetzen und eine ähnlich hohe Publikumsakzeptanz erreichen?

Lucas di Grassi:

Auf jeden Fall. Denn der vermeintlich fehlende Sound ist nur ein Vorurteil, das schnell zur Nebensache wird, wenn man ein Formel-E-Rennen selbst live erlebt. Die Formel E bietet packenden, echten und vor allem unvorhersehbaren Sport – das können nicht mehr viele Serien von sich behaupten. Abgesehen davon ist es total spannend zu erleben, was man alles hört, wenn plötzlich nicht mehr der Motorsound  dominiert.

Redaktion PRESSEtest:

AUDI war stets eine Marke des Fortschritts - sowohl am internationalen Automobil- markt wie auch im Motorsport. Dabei mmer mit einem guten "Riecher" für techno-logischen Vorsprung. Kann man die Tatsache, dass sich diese Marke jetzt intensiv im Elektro-Motorsport engagiert, als Hinweis darauf sehen, dass E-Mobilität unsere mobile Zukunft sein wird?

Lucas di Grassi:

Audi Sport ABT Schaeffler ist Gründungsmitglied der Formel E und Audi war auch der erste deutsche Premiumhersteller, der sich mit einem vollen Werkseinsatz zu elektrischem Motorsport bekannt hat. Ich denke, dass jetzt so viele große Marken diesem Weg folgen ist eine schöne Bestätigung für unseren Pioniergeist. Und das E-Mobilität in welcher Form auch immer die mobile Zukunft ist, steht für mich außer Frage.

Redaktion PRESSEtest:

Von der Vermutung ausgehend, dass der Motorsport für Sie nicht nur ein Job ist, sondern auch etwas mit Fun, Freude, Kick und vielleicht Abenteuer zu tun hat: Finden Sie diese Attribute auch im Elektro-Motorsport wieder - und wenn ja, wie?

Lucas di Grassi:

Definitiv. Ich bin schon sehr viele verschiedene Rennwagen gefahren. Auch deut - lich schnellere als die Formel E, wie z.B. Formel 1 oder den Audi LMP1 in Le Mans. Aber die unglaubliche Beschleunigung eines Elektromotors mit maximalem Dreh- moment von Anfang an - das fasziniert mich nach wie vor.

Redaktion PRESSEtest:

Was sind Ihre sportlichen Ziele für die Formel-E-Saison 2019/2020?

Lucas di Grassi:

Seit es die Formel E gibt habe ich jedes Jahr in den Top 3 beendet. 2016/2017 war ich Champion – und dass ist auch in Saison 6 wieder mein Ziel.

 

August 2019:

Das Interview führte unsere Redakteurin Karin Anne Koch  

Fachjournalistin im DFJV