Vom Future -Trend zum Alltagsthema      Elektro-Mobilität nimmt Fahrt auf

Photo: PORSCHE Presse-Service
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Auf einmal scheinen alle mitmachen zu wollen. Liegt es daran, dass die Automobil-Industrie beginnt, die Zeichen der Zeit zu erkennen? Oder dass sich die Autofahrer angesichts zunehmender Reglementierungen (Fahrverbote usw.) nolens volens für alternative Antriebskonzepte interessieren? Immerhin - die Einschläge kommen ja näher: In einigen Städten Deutschlands gelten bereits Dieselfahrverbote. So wurde beispielsweise in Hamburg ein Fahrverbot für bestimmte Streckenabschnitte ver- hängt; in Stuttgart wirkt seit Anfang 2019 ein zonales Dieselfahrverbot für Euro-4-Diesel. Anderswo (etwa in Berlin, Bonn, Frankfurt, Essen, Köln, Mainz, Darmstadt oder Gelsenkirchen) sind Fahrverbote für Diesel in Planung.

Die ansteigende Problemkurve im Zusammenhang mit Verbrennungsmotoren ist nunmal nicht mehr ignorierbar - das sorgt für ein weltweit zunehmendes Interesse an neuen, zeitgemäßen Mobilitätskonzepten wie zum Beispiel Elektromobilität.

A propos "neu": Bereits 1881 hatte der französische Elektro-Ingenieur Gustave Trouvé sein elektrisch betriebenes Fahrzeug "Trouvé Tricycle" der Öffentlichkeit präsentiert. Immerhin fünf Jahre bevor Karl Benz das Patent für sein damals noch als "Fahrzeug mit Verbrennungsmotor" bezeichnetes Automobil anmeldete (1886).

Manches, was da elektromobil auf Rädern unterwegs war, mag aus heutiger Sicht ein wenig skurill anmu- ten. Das Design der Automobile hatte damals (dem Zeitgeist entsprechend) sowieso eher Ähnlichkeit mit Kutschen, denen allerdings die Pferde fehlten. Wie auch immer - jedenfalls fuhr man schon 1881 elektrifiziert Auto.

So neu ist der Trend also nicht. Die allerersten Autos waren elektrisch angetrieben, aber wer weiß das heutzutage schon noch? Wie auch immer - das Thema ist seit nahezu 140 Jahren auf dem Tisch respektive auf der Straße. Damals mögen diese Anfänge ein wenig an das Wachstum von frisch gelegten Reptilien-Eiern erinnert haben: Man kann die Formen der Embryos bereits erkennen, und die Körper sind beinahe vollständig ausgebildet, man sieht wie sie sich bewegen. Sie müssen nur noch schlüpfen und erwachsen werden.

Damals, vor mehr als einem Jahrhundert, existierte am wachsenden Automobil- markt (insbesondere in den USA) eine klare Vorstellung zur Entwicklung der Automobilität. Man ging davon aus, diese würde von elektrischen Antriebssyste- men bestimmt sein. Daran hatte seinerzeit niemand ernsthafte Zweifel. Elektro-mobilität war alles andere als nur Zukunftsmusik, sondern bestimmte im ausgehen- den 19. Jahrhundert bereits die marktbeherrschende automobile Realität in den Straßen der USA. Mit großem ökonomischen Vorsprung vor anderen Konzepten.

"Baker Electric Coupe" von BAKER MOTOR VEHICLE COMPANY Cleveland/USA (1899 - 1914)
"Baker Electric Coupe" von BAKER MOTOR VEHICLE COMPANY Cleveland/USA (1899 - 1914)

Ich wiederhole nochmal: das war die Situation vor mehr als einem Jahrhundert! Es besteht also überhaupt kein Grund, heutzutage so zu tun als beträte man Neuland. Unbekanntes Terrain. Denn das stimmt schlichtweg nicht. Die Thematik Elektro-Mobilität haben wir in Amerika und Europa schon lange auf dem Tisch (respektive auf den Straßen).

Allerdings ist die historische Faktenlage allgemein so gut wie nicht mehr präsent. Eine kleine Auffrischung kann daher nicht schaden: Bereits 1881 hatte Gustave Trouvé sein elektrisch betriebenes "Trouvé Tricycle" der Öffentlichkeit präsentiert. Das war immerhin fünf Jahre bevor Karl Benz das Patent für sein damals noch als "Fahrzeug mit Verbrennungsmotor" bezeichnetes Automobil anmeldete (1886). 

Trouvé Tricycle - Vollelektrisches Fahrzeug (präsentiert 1881 - von Gustave Trouvé)
Trouvé Tricycle - Vollelektrisches Fahrzeug (präsentiert 1881 - von Gustave Trouvé)

Das Thema steht also seit nahezu 140 Jahren im Lastenheft der Automobilwirt-schaft. Es existiert ebenso lange wie die Historie des Automobils selbst. Genau genommen sogar einige Jahre länger: der sog. "Vater des Automobils" Karl Benz (1844 - 1924) erlebte um sich herum eine Welt, in der benzingetriebene Fahrzeuge den mit Abstand geringsten Anteil repräsentierten (nur 22 Prozent). 38 Prozent waren Elektroautos, die gemeinsam mit den Dampftrieblern (40 Prozent) das Bild in den Straßen von Europa und Amerika dominierten.

Ein Blick in die automobilen Statistiken um 1900 gibt Aufschluss: Zwischen 1896 und 1912 waren allein in den USA 34.000 Elektrofahrzeuge registriert. Es war die Blütezeit der Elektromobilität in Amerika -  es existierten über 560 (!) Marken von Elektroautos.

Wir starten in eine Mammut-Langzeitreportage zum Thema Elektro-Mobiltät - mit Test-und Fahrberichten aktueller Elektro-Fahrzeuge; mit Berichten über Projekte im In-und Ausland sowie mit Inside-Reportagen von Rennen der FIA-Formula-E.

FIA Formula-E-Rennfahrzeug von Audi Sport Abt Schaeffler
FIA Formula-E-Rennfahrzeug von Audi Sport Abt Schaeffler